Was feststeht
Das Bild ist nicht gemalt: Farbe, die es erklären würde, fanden die Forscher 1978 nicht. Es zeigt einen gegeißelten und gekreuzigten Mann, und die roten Spuren sind Blut (STURP 1981).
Das Tuch
Ein Spiegel des Evangeliums
Ein Leinentuch, gut vier Meter lang. Darauf, so blass, dass man es aus der Nähe kaum erkennt, ein Mann von vorn und von hinten: gegeißelt, mit Dornen gekrönt, gekreuzigt, die Seite geöffnet. Wie das Bild auf das Tuch kam, kann bis heute niemand erklären.
Etwa 30 Minuten Lesezeit
Fotografie (1931): Giuseppe Enrie, gemeinfrei
Die Bibelstellen stehen nach der Einheitsübersetzung. Wer eine Stelle antippt, sieht ihren Wortlaut; ebenso beim Katechismus und bei den Päpsten.
Im Dom von Turin liegt, in einer Kapelle unter der Königsloge und meist für niemanden zu sehen, ein Tuch aus Leinen, 4,41 Meter lang und 1,13 Meter breit, in Fischgrät gewebt. Es trägt das Bild eines toten Mannes. Das Tuch lag unter ihm und war über seinen Kopf nach vorn geschlagen, deshalb ist er zweimal zu sehen, von vorn und von hinten, Kopf an Kopf (sindone.org).
Seit Jahrhunderten wird es als das Tuch verehrt, in das Josef von Arimathäa den Leichnam Jesu hüllte: „Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch“ (Mt 27,59). Beweisen lässt sich das nicht, und die Kirche verlangt es von niemandem. Johannes Paul II. sagte 1998 vor dem Tuch, es gehe hier nicht um eine Frage des Glaubens, und überließ die Forschung den Wissenschaftlern; sie sollten frei und ohne vorgefasstes Ergebnis arbeiten (Ansprache vom 24. Mai 1998).
Für den Glaubenden, sagte er weiter, zähle vor allem eines: Das Tuch sei ein „Spiegel des Evangeliums“. Wer es ansieht, sieht, was die Evangelien vom Leiden Jesu erzählen, und das Tuch lenkt den Blick von sich weg auf ihn. So will diese Seite es lesen.
Was feststeht
Das Bild ist nicht gemalt: Farbe, die es erklären würde, fanden die Forscher 1978 nicht. Es zeigt einen gegeißelten und gekreuzigten Mann, und die roten Spuren sind Blut (STURP 1981).
Was offen ist
Wie das Bild auf das Tuch kam und wie alt das Tuch ist. Die Radiokarbon-Datierung von 1988 ergab das Mittelalter; ob die Probe aus einer Ecke für das ganze Tuch spricht, ist bis heute umstritten.
Was die Kirche sagt
Sie hat das Tuch nie für echt erklärt und nie für falsch. Sie lädt ein, darin Christus zu betrachten: „Weil der Mann des Grabtuchs uns einlädt, Jesus von Nazareth zu betrachten“ (Franziskus, 2013).
4,41 m
lang und 1,13 Meter breit, Leinen in Fischgrätköper
100+
paarige Male einer römischen Geißel, von den Schultern bis zu den Waden
1898
fotografiert Secondo Pia das Tuch und entdeckt, dass es ein Negativ ist
120 Std.
untersuchen Forscher 1978 das Tuch, Tag und Nacht
Die Entdeckung
Mit bloßem Auge sieht man auf dem Tuch nur blasse, bräunliche Schatten. Erst die Fotografie hat gezeigt, was darin liegt.
Auf dem Tuch
Im Negativ
Im Mai 1898 wurde das Tuch zum ersten Mal seit dreißig Jahren öffentlich gezeigt, und der Turiner Anwalt Secondo Pia, ein erfahrener Fotograf, durfte es aufnehmen. Er ließ sich eine Kamera für Glasplatten von 50 mal 60 Zentimetern bauen. Die ersten Versuche am 25. Mai brachen ab, weil die Hitze der Scheinwerfer die Mattscheiben davor zerspringen ließ. Am Abend des 28. Mai belichtete er neu und entwickelte die Platten noch in derselben Nacht (Museo Nazionale del Cinema).
In der Dunkelkammer, so schrieb er später, habe ihn eine starke Erschütterung gepackt, als bei der Entwicklung zum ersten Mal das heilige Antlitz auf der Platte erschien, so deutlich, dass er staunte. Auf dem Negativ stand kein Gewirr von Flecken, sondern ein Mensch, mit Licht und Schatten wie auf einem Foto.
Das Tuch selbst ist also ein Negativ. Was am Körper hervortritt, Stirn, Nase, Wangen, ist auf dem Leinen dunkel, was zurückliegt, hell, und rechts und links sind vertauscht. Nur das Blut macht eine Ausnahme: Es ist auf dem Tuch dunkel, wie Blut eben ist, und erscheint auf dem Negativ hell (sindone.it). 1931 fotografierte Giuseppe Enrie das Tuch mit besseren Platten und bestätigte, was Pia gesehen hatte.
Benedikt XVI. hat darin ein Gleichnis gesehen. Das Tuch sei wie ein Dokument mit einem Positiv und einem Negativ, und so sei es auch mit dem Tod Jesu: „Das dunkelste Geheimnis des Glaubens ist zur gleichen Zeit das hellste Zeichen einer Hoffnung, die keine Grenzen hat“ (Meditation in Turin, 2. Mai 2010).
Die Passion
Die Evangelien erzählen die Passion in wenigen Sätzen. Auf dem Tuch steht, was diese Sätze für einen Körper bedeuten. Rechtsmediziner haben jede Spur beschrieben; daneben steht, was die Evangelien berichten.
VorderseiteRückseite
„Dann spuckten sie ihm ins Gesicht und schlugen ihn.“
Auf dem Tuch Das Gesicht ist geschwollen, am stärksten auf der rechten Seite: unter dem Auge, an der Wange, an der Oberlippe und am Kiefer. Die Nase ist zur Seite gedrückt, wohl gebrochen. Über den Augenbrauen liegen Platzwunden.
Auch Johannes erzählt, dass ein Diener des Hohepriesters ihn ins Gesicht schlug (Joh 18,22), und später die Soldaten (Joh 19,3).
„Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt“
Auf dem Tuch Rund um den Kopf, über die Stirn, bis zum Scheitel und hinab zum Nacken, sitzen viele kleine Stichwunden. Das spricht eher für eine Haube aus Dornen als für einen Kranz, wie ihn die Maler zeigen. Mitten auf der Stirn läuft ein Blutfaden in der Form einer umgekehrten 3. Er folgt den Falten, die der Schmerz in die Stirn gezogen hat.
Wie das Blut geronnen ist, lässt Rechtsmediziner sogar Wunden von Arterien und von Venen unterscheiden.
„Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.“
Auf dem Tuch Von den Schultern bis zu den Waden ist der Körper mit über hundert Malen übersät, je zwei nebeneinander, etwa zwei Zentimeter lang, wie kleine Hanteln. So sahen die Bleistücke an den Riemen einer römischen Geißel aus. Die Hiebe trafen den entblößten, vorgebeugten Körper.
Jesaja sagt vom leidenden Knecht Gottes: „durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes 53,5). Der erste Petrusbrief bezieht das auf Christus (1 Petr 2,24).
„Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte“
Auf dem Tuch Auf den Schultern liegen zwei breite Schürfwunden, links über dem Schulterblatt, rechts darüber. Ein schwerer, rauer Gegenstand hat dort gelegen, wahrscheinlich der Querbalken des Kreuzes, den der Verurteilte selbst trug. Auch beide Knie sind aufgeschürft, wohl von Stürzen; dort und an den Fußsohlen fanden sich Spuren von Erde.
Unterwegs zwangen die Soldaten Simon von Zyrene, ihm das Kreuz zu tragen (Mk 15,21).
„Sie haben mir Hände und Füße durchbohrt.“
Auf dem Tuch Die Hände liegen über dem Schoß gekreuzt, die linke über der rechten. Die Wunde sitzt am Handgelenk, nicht in der Handfläche, wo fast alle Maler sie dargestellt haben. Von ihr laufen Blutfäden die Unterarme hinab, in zwei verschiedenen Winkeln: Der Mann hat am Kreuz seine Haltung gewechselt.
An beiden Händen sieht man nur vier Finger. Der Chirurg Pierre Barbet erklärte das in den 1930er-Jahren mit einem Nerv im Handgelenk, den der Nagel trifft; das ist bis heute umstritten.
„Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst.“
Auf dem Tuch Auf dem Rückenbild ist die Sohle des rechten Fußes fast ganz zu sehen. In ihrer Mitte liegt ein dunkler Fleck, die Wunde eines Nagels. Von ihr ist Blut zu den Zehen und zur Ferse geflossen.
Mit diesen Worten zeigte der Auferstandene den Jüngern am Osterabend seine Hände und Füße (Lk 24,40).
„sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“
Auf dem Tuch Auf der rechten Seite der Brust, zwischen der fünften und sechsten Rippe, liegt eine ovale Wunde, etwa viereinhalb Zentimeter breit. Darunter ein großer Blutfleck, sechs mal fünfzehn Zentimeter, mit einem hellen Rand aus Serum. So blutet ein Toter, in dem sich Blut und Serum schon getrennt haben: Die Wunde wurde nach dem Tod geschlagen. Als man ihn hinlegte, lief noch einmal Blut aus, quer über den Rücken.
Johannes besteht auf diesem Satz: „Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr.“ (Joh 19,35)
„Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht“
Auf dem Tuch Den Gekreuzigten zerschlug man die Beine, damit sie schneller starben; sie konnten sich dann nicht mehr hochstemmen, um Luft zu holen. An den Beinen des Mannes auf dem Tuch ist davon nichts zu sehen. Das linke Knie hielt die Totenstarre stärker gebeugt als das rechte; deshalb wirkt das linke Bein im Bild kürzer.
Johannes erinnert an das Wort über das Paschalamm: „Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.“ (Joh 19,36)
„Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab“
Auf dem Tuch Das Blut steht noch auf der Haut, wie es aus den Wunden kam; gewaschen wurde der Tote offenbar nicht. Er lag ausgestreckt auf der einen Hälfte des Tuchs, die andere war über den Kopf nach vorn geschlagen. Spuren der Verwesung haben die Forscher nicht gefunden: Lange kann der Körper nicht im Tuch gelegen haben.
Das passt zu einem Begräbnis in Eile, „wegen des Rüsttages der Juden“ (Joh 19,42). Johannes nennt dazu Myrrhe und Aloe, „etwa hundert Pfund“ (Joh 19,39).
Das Tuch: Fotografie (1931): Giuseppe Enrie, koloriert von Rudolf Berwanger, CC BY-SA 4.0
Die Befunde stehen so bei den Rechtsmedizinern des Turiner Studienzentrums (sindone.it). Manches widerspricht dem, was die Maler des Mittelalters zeigten: Nägel im Handgelenk statt in der Handfläche, eine Haube aus Dornen statt eines Kranzes, ein nackter, nicht gewaschener Körper. Es gibt auch Widerspruch unter den Fachleuten. Matteo Borrini und Luigi Garlaschelli haben 2018 mit einem Freiwilligen nachgestellt, wie das Blut geflossen sein müsste, und halten einige Spuren für unrealistisch, etwa das Blut quer über dem Rücken (Journal of Forensic Sciences). Andere erklären dieselben Spuren mit den zwei Haltungen am Kreuz und dem Hinlegen des Toten.
Ostern
Am Morgen nach dem Sabbat fanden die Jünger das Grab leer. Was sie dort sahen, waren Tücher.
„Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“
Johannes erzählt den Ostermorgen in allen Einzelheiten. Er läuft mit Petrus zum Grab, ist schneller, beugt sich vor „und sah die Leinenbinden liegen“ (Joh 20,5). Petrus geht hinein und sieht dasselbe, dazu „das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle“ (Joh 20,7). Dann geht auch der andere Jünger hinein: „er sah und glaubte“ (Joh 20,8).
Was ließ ihn glauben, bevor er den Auferstandenen gesehen hatte? Der Katechismus antwortet: Er muss am Grab erkannt haben, dass niemand den Leichnam weggetragen hatte und dass Jesus nicht wie Lazarus in ein irdisches Leben zurückgekehrt war (KKK 640). Lazarus kam aus dem Grab, „seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt“ (Joh 11,44). Jesus ließ die Tücher zurück.
Das Grabtuch zeigt nicht die Auferstehung. Es zeigt einen Toten, und Benedikt XVI. nannte es deshalb „das Bild des Karsamstags“: des Tages, an dem Christus im Grab lag und den Tod nicht nur erlitt, sondern „koste“ (KKK 624). Er sah darin aber mehr als Dunkelheit. Die vielen, die vor das Tuch treten, sähen auch das Licht: „Sie sehen zwar den Tod Jesu, aber sie erahnen seine Auferstehung“ (Meditation, 2. Mai 2010).
Der Glaube an die Auferstehung hängt nicht an diesem Tuch. Paulus nennt keine Reliquie, sondern Menschen: Kephas, die Zwölf, dann „mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben“ (1 Kor 15,6). Auf ihr Zeugnis gründet die Kirche (KKK 642), und die Evangelien verschweigen nicht, wie schwer den Jüngern selbst das Glauben fiel (KKK 643). Das Tuch fügt diesem Zeugnis nichts hinzu, was ihm fehlte. Es lässt aber sehen, wovon die Zeugen sprachen.
Als Thomas zweifelte, zeigte ihm der Auferstandene seine Wunden: „Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände!“ (Joh 20,27). Der Leib, der den Jüngern erschien, trug noch die Spuren des Leidens (KKK 645). Dann sagte Jesus den Satz, der allen gilt, die nach den Zeugen kommen: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29)
Die Forschung
1978 durften Forscher das Tuch fünf Tage lang untersuchen, Tag und Nacht. Was sie fanden, hat sich seitdem bestätigt. Die Frage, die sie offenließen, ist bis heute offen.
Die Gruppe nannte sich Shroud of Turin Research Project, kurz STURP: Physiker, Chemiker und Fotografen, die meisten aus Forschungslabors in den USA. Vom 8. bis 13. Oktober 1978, nach der großen Ausstellung zum 400. Jahrestag der Ankunft in Turin, nahmen sie Fotos in vielen Wellenlängen auf, durchleuchteten das Tuch mit Röntgenstrahlen und sicherten Fasern mit Klebeband. 1981 fassten sie zusammen: Das Bild zeigt einen wirklichen Menschen, einen gegeißelten und gekreuzigten Mann; es ist nicht das Werk eines Künstlers; wie es entstand, bleibt ein Rätsel (Zusammenfassung 1981).
Auf den Fasern fanden sich keine Pigmente, Farben oder Färbemittel, die das Bild erklären würden. Röntgenfluoreszenz, Mikrochemie, ultraviolettes und infrarotes Licht ergaben dasselbe.
Gefärbt sind nur die obersten Fasern eines Fadens, die darunter nicht, und die Färbung ist nur Bruchteile eines Tausendstelmillimeters dick. Es gibt keinen Pinselstrich, keine Richtung und kein Einsickern zwischen die Fäden.
Wie dunkel das Bild an einer Stelle ist, hängt davon ab, wie weit das Tuch dort vom Körper entfernt lag. Deshalb lässt es sich in ein Relief umrechnen; mit Fotos und Gemälden gelingt das nicht.
Die roten Spuren enthalten Abbauprodukte von Hämoglobin, dazu Bilirubin und Serumalbumin. Ob man nach so langer Zeit noch eine Blutgruppe bestimmen kann, ist umstritten.
Unter den Blutflecken ist das Leinen ohne Bild. Das Blut war also zuerst da und hat die Fasern darunter geschützt. Ein Versuch von Kelly Kearse vom Juli 2026 stützt diese Reihenfolge.
Beim Brand von 1532 verkohlten die Lagen des gefalteten Tuchs an einer Ecke, Löschwasser drang ein. Das Bild selbst hat sich weder durch die Hitze noch durch das Wasser verändert.
„… ein Bild, das alle sehen und das derzeit niemand erklären kann.“
Dafür spricht
Wo der Körper das Tuch berührte, können Blut, Schweiß und Ausdünstungen des Toten das Leinen verfärbt haben. Der Chemiker Raymond Rogers dachte an eine Reaktion zwischen Stoffen aus dem Körper und Stärkeresten auf dem Leinen.
Dagegen spricht
Das Gesicht ist auch dort scharf abgebildet, wo das Tuch den Körper nicht berührt haben kann, und Dämpfe verteilen sich, statt ein scharfes Bild zu ergeben.
Dafür spricht
Ein Relief, erhitzt oder mit Farbe abgerieben, gibt ein Bild mit ähnlicher Tiefe (Luigi Garlaschelli 2009). Cicero Moraes hat 2025 am Rechner nachgestellt, dass ein flaches Relief dem Tuch ähnlicher abfärbt als ein ganzer Körper (Archaeometry).
Dagegen spricht
Kein Versuch hat bisher alle Eigenschaften zugleich getroffen, besonders die Färbung nur der obersten Fasern ohne Farbstoff. Gegen Moraes wenden Fachkollegen ein, er lasse wesentliche Merkmale des Tuchs weg (Archaeometry 2026); der päpstliche Kustos warnte vor der „superficialità di certe conclusioni“ (Erklärung vom 4. August 2025).
Dafür spricht
Forscher der italienischen Behörde ENEA haben Leinen mit sehr kurzen Stößen ultravioletten Laserlichts ähnlich oberflächlich gefärbt wie das Tuch. Manche verbinden das mit der Auferstehung.
Dagegen spricht
Gefärbt wurden nur kleine Flächen, und welche Lichtquelle ein ganzes Bild erzeugt haben sollte, ist offen. Die Kirche hat sich zu dieser Deutung nicht geäußert.
Die Datierung
1988 gab eine Messung eine klare Antwort. Seitdem streiten Fachleute darüber, wofür sie gilt.
| Verfahren | Ergebnis | Einordnung |
|---|---|---|
| Radiokarbon, 1988Damon u. a., Nature 1989 | 1260–1390 n. Chr. | Einzige Standardmessung; drei Labore, eine Probe aus einer Ecke. Ob sie für das ganze Tuch gilt, ist umstritten. |
| Fasern, mechanisch und spektroskopisch, 2013Fanti und Gaeta 2013 | 33 v. Chr. ± 250 Jahre | Keine Standardmethode; dass die Fasern vom Tuch stammen, ist nach dem Turiner Erzbischof nicht gesichert. |
| Röntgenstreuung (WAXS), 2022De Caro u. a., Heritage 2022 | vereinbar mit 55–74 n. Chr. | Nur wenn das Tuch dreizehn Jahrhunderte bei 20 bis 22,5 Grad lagerte; ein einzelner Faden. |
| Statistik der Rohdaten von 1988, 2026Riani u. a. 2026 | Alter ändert sich entlang der Probe | Der beprobte Streifen ist mittelalterlich; für das ganze Tuch lässt sich daraus kein Alter ableiten. |
| Textilprüfung zweier Proben von 1988, 2026Freer-Waters und Jull 2026 | keine Datierung | Die Reste gleichen dem Hauptteil des Tuchs, ohne Spuren einer Verunreinigung. |
Am 21. April 1988 wurde in der Sakristei des Turiner Doms ein Streifen von etwa einem mal sieben Zentimetern aus einer Ecke des Tuchs geschnitten und unter drei Labore aufgeteilt, in Oxford, Zürich und Tucson in Arizona. Am 13. Oktober 1988 gab Kardinal Anastasio Ballestrero das Ergebnis bekannt, im Februar 1989 erschien es in der Zeitschrift Nature: Das Leinen stamme mit einer Sicherheit von mindestens 95 Prozent aus der Zeit zwischen 1260 und 1390. Die Autoren sprachen von einem schlüssigen Beweis (Damon u. a. 1989).
Gegen die Übertragung auf das ganze Tuch wird vor allem dreierlei eingewandt. Die Probe kam aus einer einzigen Ecke, an der das Tuch bei Ausstellungen jahrhundertelang mit den Händen gehalten wurde. Der Chemiker Raymond Rogers fand 2005 in benachbarten Fäden Baumwolle und Spuren einer Färbung und hielt die Stelle für eine Ausbesserung des Mittelalters (Thermochimica Acta). Und die Messwerte passen nicht recht zueinander: Schon der Aufsatz von 1989 räumte ein, dass sie stärker streuten, als die Labore angegeben hatten. Als das British Museum 2017 die Rohdaten herausgab, fanden Statistiker darin keine einheitliche Probe (Casabianca u. a. 2019).
Im Juni 2026 hat eine Gruppe um den Statistiker Marco Riani die Rohdaten noch einmal durchgerechnet, mit allen 165.888 möglichen Zuordnungen der Teilproben. Das gemessene Alter ändert sich deutlich entlang des Streifens. Für den Streifen selbst ergibt sich das Mittelalter; für das ganze Tuch, so die Autoren, lässt sich daraus kein Alter ableiten (Statistical Methods & Applications).
Auf der anderen Seite haben Rachel Freer-Waters und Timothy Jull vom Labor in Arizona im April 2026 zwei Reste ihrer Probe mit Kontrollstoffen verglichen: Sie gleichen dem Hauptteil des Tuchs, Spuren einer Verunreinigung fanden sie nicht (npj Heritage Science). Die Verfahren, die ein Alter aus der Zeit Jesu ergaben, sind nicht genormt oder setzen viel voraus. Die Röntgenmessung von 2022 etwa passt zu einem Tuch aus dem 1. Jahrhundert nur, wenn es dreizehn Jahrhunderte lang bei 20 bis 22,5 Grad lag (Heritage). Bei den Fasern, die Giulio Fanti 2013 untersuchte, ist nach einer Erklärung des Turiner Erzbischofs nicht gesichert, dass sie vom Tuch stammen.
Ehrlich ist darum nur diese Antwort: Die einzige Standardmessung spricht für das Mittelalter, ob sie für das ganze Tuch gilt, ist offen, und eine neue Probe wurde seit 1988 nicht genommen. Der Glaube muss die Frage nicht fürchten. Die Kirche lehrt, dass Forschung, die wirklich wissenschaftlich vorgeht, „niemals dem Glauben wahrhaft widerstreiten“ kann (KKK 159).
Wie sicher?
Über das Tuch ist viel behauptet worden, Großes und Kleines. Hier steht jeder Fund mit der Frage, wie gut er gesichert ist.
Gut belegt
Secondo Pia 1898, Giuseppe Enrie 1931
Licht und Schatten sind auf dem Tuch vertauscht, rechts und links auch; nur das Blut ist „positiv“.
Gut belegt
John Jackson und Eric Jumper 1976; Applied Optics 1984
Die Helligkeit entspricht dem Abstand zwischen Tuch und Körper; das Bild lässt sich als Relief darstellen.
Gut belegt
STURP 1978 bis 1981
Pigmente oder Farbstoffe erklären das Körperbild nicht. Walter McCrone meinte 1980, Eisenoxid und Zinnober gefunden zu haben; die übrigen Untersuchungen haben das für das Körperbild nicht bestätigt.
Gut belegt
Fanti u. a. 2010
Die Färbung sitzt nur auf den obersten Fasern eines Fadens, in einer hauchdünnen Schicht.
Gut belegt
Heller und Adler 1980; Pier Luigi Baima Bollone
Hämoglobin, Bilirubin und Serumalbumin; menschliches Blut.
Gut belegt
Heller und Adler; Kearse 2026
Unter dem Blut ist kein Bild. Versuche von 2026 zeigen, dass Blut späteres Färben verhindert, aber eine Färbung nicht rückgängig macht.
Gut belegt
Kopie von Lier, 1516
Vier Gruppen kleiner Brandlöcher in L-Form stehen schon auf einer Kopie von 1516, also vor dem Brand von Chambéry.
Gut belegt
Oxford, Zürich, Arizona 1988
Die Probe aus der Ecke ergibt 1260 bis 1390. Ob das für das ganze Tuch gilt, ist umstritten (siehe Datierung).
Umstritten
Baima Bollone 1982
Ältere Tests ergaben die Gruppe AB. Kelly Kearse hält solche Tests an altem Blut für unzuverlässig (2020, 2023).
Umstritten
Max Frei 1973 und 1978
Frei bestimmte auf Klebebändern Pollen von Pflanzen aus Palästina und Anatolien. Die Bestimmung und die Herkunft der Proben sind umstritten.
Umstritten
Avinoam Danin, Alan Whanger, ab 1997
Auf Fotos des Tuchs wollen sie Umrisse von Blumen aus der Gegend um Jerusalem erkennen.
Umstritten
Francis Filas 1980
Auf dem rechten Auge soll eine Münze des Pilatus liegen. Die Struktur des Gewebes lässt solche Deutungen leicht zu.
Umstritten
André Marion und Anne-Laure Courage 1997; Barbara Frale 2009
Bei starker Vergrößerung wollen sie Buchstaben neben dem Gesicht lesen, etwa einen Teil des Namens Jesus.
Umstritten
Joseph Kohlbeck und Eugenia Nitowski 1986
Staub an Fuß und Knie soll der Zusammensetzung von Kalkstein aus Jerusalemer Gräbern gleichen.
Umstritten
Giulio Fanti und Roberto Maggiolo 2004
Auf der Rückseite des Leinens soll ganz schwach auch das Gesicht zu sehen sein.
Umstritten
Matteo Borrini und Luigi Garlaschelli 2018
Nachgestellte Blutspuren passen ihrer Ansicht nach nicht alle zu einem Gekreuzigten und Toten.
Umstritten
Cicero Moraes 2025
Eine Simulation am Rechner soll zeigen, dass ein flaches Relief eher passt als ein Körper. Kollegen halten die Methode für fehlerhaft (2026).
Deutung offen
Mechthild Flury-Lemberg 2002
Der Seitenstreifen ist mit einer Naht angesetzt, die sie mit Stoffen aus der Festung Masada (vor 74) verglich. Was das über das Alter sagt, ist offen.
Deutung offen
Gianni Barcaccia u. a. 2015 und Juli 2026
Im Staub vom Tuch fanden sich Spuren von Menschen aus Westeuropa, dem Nahen Osten und Indien, von Pflanzen und Tieren aus vielen Erdteilen. Sie stammen aus vielen Jahrhunderten und sagen nichts über das Alter des Tuchs.
Deutung offen
John Sottosanti 2025
Ein Zahnchirurg will im Bild Zähne des Unterkiefers erkennen.
Die Geschichte
Sicher belegt ist das Tuch seit der Mitte des 14. Jahrhunderts. Davor gibt es Spuren, die zu ihm passen könnten, aber keine, die es sicher meint.
um 30
Josef von Arimathäa kauft ein Leinentuch und legt den Toten in ein Felsengrab (Mk 15,46). Am Ostermorgen liegen die Tücher im leeren Grab (Joh 20,5–7). Was danach mit ihnen geschah, sagt das Neue Testament nicht.
544
In Edessa, dem heutigen Urfa, wird ein Bild Christi verehrt, das „nicht von Menschenhand gemacht“ sein soll, das Mandylion. Der Historiker Evagrius berichtet um 593, es habe die Stadt 544 vor den Persern gerettet. Der Grabtuchforscher Ian Wilson hält es für das gefaltete Grabtuch, auf dem man nur das Gesicht sah.
944
Am 15. August 944 kommt das Bild von Edessa nach Konstantinopel. In einer Predigt zu diesem Tag spricht der Archidiakon Gregorios Referendarios vom Blut aus der Seite. Für manche ist das ein Hinweis, dass das Bild den ganzen Körper zeigte.
1192–1195
Eine ungarische Handschrift zeigt die Salbung des Leichnams und das leere Grab. Jesus liegt dort nackt, die Hände über dem Schoß gekreuzt, wie der Mann auf dem Tuch. Auf dem Tuch im unteren Bild sehen manche das Fischgrätmuster und die L-förmigen Brandlöcher des Grabtuchs; andere sehen einen verzierten Grabdeckel.
1203/1204
Der Kreuzfahrer beschreibt in Konstantinopel ein Grabtuch des Herrn, das „jeden Freitag“ aufgerichtet wurde, sodass man die Gestalt des Herrn sehen konnte. Nach der Plünderung der Stadt 1204 wisse niemand, wo es geblieben sei.
um 1355
Der Ritter Geoffroi de Charny stiftet eine Kirche im Dorf Lirey in der Champagne; dort wird das Tuch gezeigt. Pilgerzeichen aus Blei zeigen es mit Vorder- und Rückenbild.
1389/1390
Bischof Pierre d’Arcis von Troyes schreibt an Clemens VII., den Gegenpapst in Avignon, sein Vorgänger habe einen Maler ermittelt. Der Gegenpapst erlaubt das Zeigen, wenn dazu gesagt wird, es sei ein Bild. Erhalten sind nur Entwürfe des Schreibens, ohne Datum und Unterschrift; der Maler wird nicht genannt.
1453
Margarete von Charny übergibt das Tuch Herzog Ludwig von Savoyen. 1502 kommt es in die Sainte-Chapelle von Chambéry; 1506 bestätigt Julius II. Messe und Stundengebet vom heiligen Grabtuch.
1532
In der Nacht zum 4. Dezember brennt die Sakristei. Das gefaltete Tuch verkohlt an den Rändern der Lagen; daher die Brandlinien und Löcher. 1534 setzen Klarissen etwa dreißig Flicken ein und nähen es auf ein Stütztuch.
1578
Herzog Emanuel Philibert lässt das Tuch nach Turin bringen, um dem Mailänder Erzbischof Karl Borromäus, der es zu Fuß besuchen wollte, den weiten Weg über die Alpen zu ersparen.
1694
Das Tuch kommt in die Kapelle, die Guarino Guarini zwischen Dom und Palast gebaut hat, unter eine Kuppel aus übereinander gestaffelten Bögen.
1898
Secondo Pia entdeckt auf seinen Platten das Negativ. 1931 folgt Giuseppe Enrie.
1939–1946
Während des Zweiten Weltkriegs liegt das Tuch in der Abtei Montevergine bei Avellino.
1973
Zum ersten Mal wird das Tuch im Fernsehen gezeigt, mit einer Botschaft von Paul VI.
1978
Nach einer Ausstellung mit rund drei Millionen Pilgern untersuchen die Forscher von STURP das Tuch fünf Tage lang.
1983
Umberto II. von Savoyen vermacht das Tuch dem Heiligen Stuhl. Es bleibt in Turin; der Erzbischof ist sein päpstlicher Kustos.
1988
Am 21. April werden die Proben genommen, am 13. Oktober das Ergebnis bekannt gegeben: 1260 bis 1390.
1997
In der Nacht vom 11. auf den 12. April brennt die Kapelle Guarinis aus. Das Tuch liegt wegen Bauarbeiten hinter dem Hochaltar des Doms; der Feuerwehrmann Mario Trematore zerschlägt das Panzerglas, und es wird unversehrt geborgen.
2002
Die Textilrestauratorin Mechthild Flury-Lemberg entfernt die Flicken von 1534 und das alte Stütztuch; seitdem liegt das Tuch ausgebreitet in einem Behälter mit Edelgas.
2010, 2015
Über zwei Millionen Menschen sehen das Tuch 2010, darunter Benedikt XVI.; 2015 kommt Franziskus.
2018
Nach 21 Jahren Restaurierung wird die Kapelle Guarinis am 27. September wiedereröffnet.
2020
Am 11. April beten Menschen in aller Welt vor dem Tuch, live übertragen aus dem leeren Dom.
2025
Statt einer Ausstellung steht auf der Piazza Castello ein Zelt mit dem Tuch in voller Größe als Bild; über 30.000 Menschen aus 79 Ländern kommen in acht Tagen. Am Fest des Grabtuchs, dem 4. Mai, feiert der Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, die Messe im Dom.
2026
Am 9. Januar zeigt Kardinal Roberto Repole Leo XIV. die digitale Lesung des Tuchs; seitdem ist sie im Netz für alle offen.
Die Kirche
„Für den Glaubenden zählt vor allem, dass das Grabtuch ein Spiegel des Evangeliums ist.“
Johannes Paul II., 24. Mai 1998 (eigene Übersetzung)
Ansprache im Dom von Turin. Er erinnert daran, dass die Kirche über die Echtheit nicht entscheidet, und lädt die Forscher ein, ohne vorgefasste Ergebnisse zu arbeiten. Zum Text
„Das Grabtuch ist eine Ikone, die mit Blut gemalt wurde, mit dem Blut eines gegeißelten, dornengekrönten und gekreuzigten Mannes, dessen rechte Seite verwundet wurde.“
Benedikt XVI., 2. Mai 2010
Meditation „Das Mysterium des Karsamstags“ vor dem Tuch. Das Blut, sagt er, spricht vom Leben. Zum Text
„Dieses Gesicht hat geschlossene Augen; es ist das Gesicht eines Toten, und doch schaut es uns auf geheimnisvolle Weise an und spricht zu uns im Schweigen.“
Franziskus, 30. März 2013
Videobotschaft am Karsamstag, als das Tuch im Fernsehen gezeigt wurde. Zum Text
„Als Christen betrachten wir im Licht der Heiligen Schrift in diesem Tuch die Ikone des gekreuzigten, gestorbenen und auferstandenen Herrn Jesus.“
Franziskus, 9. April 2020
Brief an den Erzbischof von Turin vor dem Gebet am Karsamstag 2020, in der Zeit der Pandemie. Zum Text
Leo XIV., 9. Januar 2026
Als Erster sah er die digitale Lesung des Tuchs, die ihm Kardinal Repole bei einer Audienz vorstellte; seitdem kann jeder sie im Netz öffnen. Zum Text
Die Diözese Turin sagt es so: Die Überlieferung, dass dies das Tuch aus den Evangelien ist, habe in der Forschung viele Bestätigungen gefunden, könne aber noch nicht als endgültig bewiesen gelten. Sicher sei, dass das Tuch hilft, die Passion Jesu zu verstehen und zu betrachten (sindone.org).
Stand Oktober 2026
Öffentlich ausgestellt war das Tuch zuletzt 2015; seitdem war es nur bei Gebeten zu sehen, die aus dem Dom übertragen wurden. Erkunden kann man es trotzdem, und die Forschung geht weiter.
Das Tuch liegt im Dom San Giovanni Battista, in der letzten Kapelle des linken Seitenschiffs, in einem Behälter in einer Metallkiste; sehen kann man es dort nicht. Wann es wieder öffentlich gezeigt wird, entscheidet der Papst, und angekündigt ist nichts (sindone.org). Zehn Minuten vom Dom entfernt erklärt das Museo della Sindone in der Via San Domenico 28 seine Geschichte und Erforschung.
Im Heiligen Jahr 2025 stand das Tuch als Bild in voller Größe in einem Zelt auf der Piazza Castello, auf einem fünf Meter langen Tisch zum Erkunden. Seit dem 10. Januar 2026 ist diese Lesung für alle im Netz, mit Ausschnitten von Gesicht, Dornenkrone und Wunden und den passenden Stellen der Evangelien (avvolti.org). Die Diözese plant weitere Schritte auf das Heilige Jahr 2033 zu, zweitausend Jahre nach Tod und Auferstehung Jesu.
Am 4. Mai feiert die Kirche in Turin das Fest des heiligen Grabtuchs. 2026 predigte Kardinal Roberto Repole über Christus, „der uns liebt“ (Offb 1,5): Wer das Gesicht auf dem Tuch betrachte, begegne dem, der ihn liebt, jetzt und in jedem Augenblick (Predigt vom 4. Mai 2026).
Im April verglichen Freer-Waters und Jull Reste der Proben von 1988 mit dem Tuch, im Juni erschien die neue Statistik von Riani und Kollegen, im Juli eine Studie zur DNA im Staub von 1978 (Scientific Reports) und ein Versuch zur Reihenfolge von Blut und Bild. Am 2. Juli wurde in Oviedo das Schweißtuch, das dort seit dem Mittelalter verwahrt und mit Joh 20,7 verbunden wird, erstmals seit 2012 wieder untersucht, ohne es zu berühren (shroud.com).
Zum Weiterschauen
Die offiziellen Seiten aus Turin und Filme, die das Tuch ruhig erklären. Die Videos öffnen auf YouTube; diese Seite lädt nichts von dort.
Antworten
Was gegen das Tuch und gegen seine Verehrung vorgebracht wird, und was man darauf antworten kann.
Die Messung von 1988 hat für die Probe aus der Ecke ein Datum zwischen 1260 und 1390 ergeben, und die Labore haben sauber gearbeitet. Ob dieses Datum für das ganze Tuch gilt, ist eine andere Frage. Die Rohdaten zeigen, dass das gemessene Alter sich schon innerhalb des kleinen Streifens ändert (Riani u. a. 2026). Und eine Fälschung müsste jemand hergestellt haben: Wie, kann bis heute niemand zeigen. Die Kirche verliert nichts, wenn das Tuch aus dem Mittelalter stammt, denn sie hat es nie zum Beweis gemacht.
Bischof Pierre d’Arcis schrieb, sein Vorgänger habe um 1355 einen Maler ermittelt, der das Bild gemalt habe. Das ist ernst zu nehmen, und der Gegenpapst Clemens VII. in Avignon erlaubte daraufhin das Zeigen nur als Bild. Erhalten sind allerdings nur Entwürfe des Schreibens ohne Datum und Unterschrift, der Maler wird nicht genannt, und von der Untersuchung des Vorgängers ist sonst nichts überliefert. Gegen ein gemaltes Bild sprechen vor allem die Befunde von 1978: keine Farbe, die das Bild erklärt.
Die ersten drei Evangelien sprechen vom Leinentuch, in das Josef den Leichnam hüllte (Mt 27,59; Mk 15,46; Lk 23,53). Johannes sagt „Leinenbinden“ (Joh 19,40), im Griechischen ein Wort in der Mehrzahl für Leinenzeug. Lukas gebraucht beide Wörter: Erst hüllt Josef den Toten in ein Leinentuch (Lk 23,53), am Ostermorgen sieht Petrus „nur die Leinenbinden“ (Lk 24,12). Für ihn ist das kein Widerspruch.
Angebetet wird allein Gott. Die Ehre, die Christen einem Bild erweisen, ist eine „ehrfürchtige Verehrung“, keine Anbetung, und sie gilt dem, den das Bild zeigt (KKK 2132). Seit Gott in Christus sichtbar geworden ist, darf man ihn darstellen (KKK 1159). Die Kirche sagt vom Bild dasselbe wie vom Wort: Es überliefert die Botschaft des Evangeliums (KKK 1160).
Auch ein echtes Tuch würde zeigen, dass ein Mann so gelitten hat und so begraben wurde, wie die Evangelien es von Jesus erzählen. Dass er auferstanden ist, steht nicht auf Leinen. Selbst das leere Grab nennt der Katechismus „an und für sich kein direkter Beweis“ (KKK 640). Der Glaube stützt sich auf das Zeugnis derer, denen der Auferstandene erschienen ist (1 Kor 15,3–8), „denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende“ (2 Kor 5,7).
Nein. Die Kirche hat darüber nichts entschieden und will es auch nicht; Johannes Paul II. nannte es keine Glaubensfrage und überließ die Forschung den Wissenschaftlern (Ansprache vom 24. Mai 1998). Wer das Tuch betrachtet, betet nicht das Tuch an, sondern lässt sich zu Christus führen, wie vor einem Kreuz oder einer Ikone.
Zum Schluss
Ein Spiegel
Das Tuch zeigt, was die Evangelien erzählen: gegeißelt, gekrönt, gekreuzigt, die Seite geöffnet (Joh 19,34). Es lenkt den Blick auf Christus, nicht auf sich.
Ein offenes Rätsel
Wie das Bild entstand, kann niemand erklären; wie alt das Tuch ist, ist umstritten. Ehrliche Forschung muss der Glaube nicht fürchten (KKK 159).
Ein leeres Grab
Das Tuch zeigt einen Toten. Am Ostermorgen aber lagen die Tücher allein im Grab, und der Jünger „sah und glaubte“ (Joh 20,8).
Er ist nicht hier.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29)