Das Wort · Matthäus 16,18–19

Name, Fels, SchlüsselTu es Petrus

Bei Caesarea Philippi fragt Jesus seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Simon antwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Darauf gibt Jesus ihm einen neuen Namen – und einen Auftrag.

TV ES PETRVS ET SVPER HANC PETRAM AEDIFICABO ECCLESIAM MEAM ET TIBI DABO CLAVES REGNI CAELORVM

So steht es im Fries der Kuppel des Petersdoms, über dem Grab des Apostels: der Anfang von Vers 18 und der erste Satz von Vers 19 – die Pforten der Unterwelt und das Binden und Lösen stehen nicht im Fries. Jeder Buchstabe ist 1,41 m hoch (nach Vatican News, Dezember 2024). Mehr über den Ort
Vulgata · lateinisch, Fassung von 1592

18Et ego dico tibi, quia tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam, et portae inferi non praevalebunt adversus eam. 19Et tibi dabo claves regni caelorum. Et quodcumque ligaveris super terram, erit ligatum et in caelis: et quodcumque solveris super terram, erit solutum et in caelis.

Einheitsübersetzung · 2016

18Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.

Gold unterstrichen: die Worte, die im Fries der Kuppel stehen. Wer auf eine Wendung zeigt oder sie antippt, sieht ihre Entsprechung in der anderen Sprache.

Petros, petra, Kepha

„Petrus“ ist ein Beiname, den Jesus Simon gibt (): griechisch Petros, „Stein, Fels“, verwandt mit petra, „Fels“. Dass im griechischen Text zwei Wörter stehen, erklärt sich gut aus der Grammatik: petra ist weiblich, ein Männername braucht die männliche Form Petros. Dass damit kein Gegensatz gemeint ist, etwa „kleiner Stein“ gegenüber „großer Fels“, ist die verbreitete und gut begründete Erklärung – aus der Grammatik allein lässt es sich aber nicht abschließend entscheiden.

Jesus sprach Aramäisch. Überliefert ist sein Wort auf Griechisch; rückübersetzt stünde in beiden Satzhälften wohl dasselbe Wort: Kepha. Den aramäischen Namen bezeugt das Neue Testament selbst: „Kephas“ in , und Paulus nennt Petrus meist so (; ).

Die Schlüssel

Das Bild erinnert an : Der Palastvorsteher des Hauses David erhält den Schlüssel und damit die Vollmacht im Haus des Königs; das Amt geht dort von Schebna auf Eljakim über (). Von hier aus lesen katholische Ausleger : Petrus erhält die Schlüssel als Verwalter im Auftrag Christi, der selbst „den Schlüssel Davids“ hat (). Der Katechismus deutet sie als Vollmacht, das Haus Gottes, die Kirche, zu leiten ().

Dass dieses Amt weitergegeben wird, ist eine Deutung von Jesaja her; Matthäus sagt es nicht ausdrücklich.

Binden und lösen

Die Vollmacht zu binden und zu lösen sagt Jesus in auch allen Jüngern zu. Nach katholischer Lehre ist sie dem Kollegium der Apostel gemeinsam übertragen, Petrus aber in besonderer Weise (): Er steht nicht außerhalb der Zwölf, sondern an ihrer Spitze. Dazu passt, dass Jesus ihm aufträgt, seine Brüder zu stärken () und die Herde zu weiden ().