Rezension „Ich bin auch katholisch“

Rezension „Ich bin auch katholisch“

Wolfgang Bühne · Die Heilige Schrift und die Dogmen der Kirche · CLV, Bielefeld, 6. Auflage 2010 · 160 Seiten

Vierzehn ausgewählte Aussagen des Buches, geprüft am Katechismus der Katholischen Kirche und an der Bibel. Dazu ein Anhang zur Kirchengeschichte der ersten Jahrhunderte und Buchempfehlungen.

Antippen zeigt die Quelle:

  • oderOriginalzitat aus dem Buch
  • Bibel, Elberfelder 1905
  • Katechismus
  • Kirchenväter
  • Konzilstexte (Denzinger)
  • Gemeinsame Erklärung (1999)

Einführung

Worum es im Buch geht

Wolfgang Bühne legt in diesem Buch dar, warum er zentrale Lehren der römisch-katholischen Kirche für unvereinbar mit der Bibel hält. Den Titel erklärt eine Begegnung, die er im Vorwort schildert: Einem jungen Katholiken antwortet er, er sei „auch katholisch, allerdings nicht römisch-katholisch“, nämlich „ein ganz normaler, ›allgemeiner‹ Christ“, dessen Maßstab das Wort Gottes sein soll ().

In vierzehn Kapiteln geht es um Schrift und Überlieferung, den Menschen und die Sünde, die Kirche, die sieben Sakramente, den Papst, Maria und das Fegefeuer. Bühne stellt dabei kirchliche Lehrentscheidungen, vor allem aus der Sammlung von Neuner-Roos und seit der fünften Auflage auch aus dem Katechismus der Katholischen Kirche, den Aussagen der Bibel gegenüber. Sein Wunsch ist, dass das Buch dazu anregt, „die fundamentalen Glaubenslehren der röm.-kath. Kirche zu überdenken und mit der Heiligen Schrift zu vergleichen“ ().

Im Schlusskapitel „Was nun?!“ würdigt Bühne, dass viele Katholiken die Bibel lieben und lesen, sieht darin aber keinen grundsätzlichen Kurswechsel der Kirche. Er fragt, ob es aufrichtig ist, dass Christen mit persönlichem Glauben in ihr bleiben, und lädt zu Gemeinden ein, in denen die Heilige Schrift die „alles entscheidende und bestimmende Instanz“ ist (). Das Buch erschien zuerst 1988; besprochen wird die 6. Auflage von 2010.

Was „katholisch“ heißt

Bühne nennt sich „auch katholisch“ und versteht darunter, ein „›allgemeiner‹ Christ“ zu sein (). Das Wort hat eine lange Geschichte. Der früheste erhaltene Beleg für die Wendung „katholische Kirche“ stammt von Ignatius von Antiochien um 110, und dort steht sie im selben Satz wie der Bischof: „Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist.“ Der Katechismus erklärt das Wort als „allumfassend“ im Sinn von „ganz“ oder „vollständig“. Katholisch ist die Kirche danach, weil Christus in ihr gegenwärtig ist und sie das ganze Glaubensbekenntnis, das vollständige sakramentale Leben und das geweihte Amt in der Nachfolge der Apostel bewahrt (). So verstanden meint „katholisch“ nicht bloß „allgemein“, sondern die ganze, vollständige Kirche.

Quellen

Zweck dieser Rezension

Diese Rezension will nicht jede Streitfrage zwischen protestantischen und katholischen Christen entscheiden. Sie prüft vierzehn Aussagen des Buches daran, was die katholische Kirche nach ihren eigenen Texten tatsächlich lehrt, und nennt die Bibelstellen, auf die sich diese Lehre stützt. Die Auswahl beschränkt sich auf die wesentlichen Falschdarstellungen der katholischen Lehre; die Rezension geht nicht auf alle Aussagen des Buches ein. Kritik an katholischen Lehren ist legitim; sie sollte diese Lehren aber so wiedergeben, wie die Kirche sie selbst versteht. Deshalb ist jede Aussage mit dem Originalzitat aus dem Buch, dem Katechismus und der Bibel belegt, damit sich jeder selbst ein Urteil bilden kann.

Die Aussagen im Einzelnen

„Allein auf die Gnade Gottes vertrauen“ sei katholischerseits Ketzerei

Bühne schreibt„Er vertraute allein auf die Gnade Gottes und befand sich damit – ohne es zu wissen – im direkten Widerspruch zu seiner Kirche, die eine solche Überzeugung für ketzerisch hält und verdammt.“

Die Kirche lehrt„Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen“ – so bekennt es die katholische Kirche gemeinsam mit den Lutheranern ().

Bühne schreibt auf über einen Katholiken, dieser habe „allein auf die Gnade Gottes“ vertraut und sich damit im direkten Widerspruch zu seiner Kirche befunden, die diese Überzeugung verdamme. Das trifft die katholische Lehre nicht. Sie lehrt ausdrücklich, dass der Anfang der Rechtfertigung von Gottes Gnade ausgeht und niemand die erste Gnade verdienen kann, durch die Bekehrung, Vergebung und Rechtfertigung überhaupt möglich werden (vgl. ; ).

Genau das entspricht auch zentralen Aussagen des Neuen Testaments. Paulus schreibt, dass wir „aus Gnade“ gerettet sind und dies „nicht aus Werken“ geschieht (). In heißt es, dass alle gesündigt haben, und weiter: „Umsonst werden sie gerecht, dank seiner Gnade“. Auch stellt die Rettung ausdrücklich nicht auf die Grundlage eigener gerechter Werke, sondern auf Gottes Erbarmen. Selbst die menschliche Antwort auf Gottes Ruf setzt nach und sein vorausgehendes Wirken voraus.

Gute Werke werden in der katholischen Lehre daher nicht als Ersatz für Gottes Gnade verstanden, sondern als deren Frucht (vgl. ; ; ). Der Katechismus zitiert dazu Theresia von Lisieux: „Am Ende dieses Lebens werde ich mit leeren Händen vor dir erscheinen; denn ich bitte dich nicht, o Herr, meine Werke zu zählen“ ().

Verworfen hat das Konzil von Trient etwas anderes: die These, der rechtfertigende Glaube sei nichts anderes als das Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, oder allein dieses Vertrauen rechtfertige uns (). Das Konzil verwirft also nicht das Vertrauen auf Gottes Gnade, sondern die Gleichsetzung des rechtfertigenden Glaubens mit diesem Vertrauen allein. Nach katholischer Lehre werden bei der Rechtfertigung „Glaube, Hoffnung und Liebe in unsere Herzen gegossen“ (). Das Vertrauen selbst nennt dasselbe Konzil als Teil der Vorbereitung auf die Rechtfertigung (). Katholische Theologie liest deshalb Paulus und Jakobus zusammen: Der Glaube, der rechtfertigt, ist der Glaube, „der durch die Liebe wirkt“ (; vgl. ). Die Wendung „aus Glauben allein“ steht im Neuen Testament übrigens nur an einer Stelle, und dort wird sie verneint: „Ihr seht, dass der Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein“ ().

Das oben zitierte Bekenntnis steht in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund 1999 unterzeichnet haben (). Die lutherische Lehre, wie die Erklärung sie darlegt, wird danach „nicht von den Verurteilungen des Trienter Konzils getroffen“ (). Bühne erwähnt die Erklärung selbst (), zitiert aber nicht, was darin über die Gnade steht. Der tatsächliche protestantisch-katholische Streit liegt also wesentlich differenzierter im Verhältnis von Rechtfertigung, Glauben, Liebe und menschlicher Mitwirkung. Die Aussage, Vertrauen auf Gottes Gnade sei katholische Ketzerei, trifft die katholische Position nicht.

Die Kirchenväter hätten bis ins 5. Jahrhundert ausschließlich die Schrift als Autorität anerkannt

Bühne schreibt„Während die früheren Kirchenväter bis ins 5. Jahrhundert der Überzeugung waren, dass allein die Heilige Schrift Autorität hat …“

Die Kirche lehrtSchrift und apostolische Überlieferung gehören zusammen (); so argumentiert schon Irenäus um 180.

Die Behauptung auf ist historisch zu pauschal. Bereits Irenäus von Lyon argumentierte um 180 n. Chr. nicht nur mit den biblischen Schriften, sondern ausdrücklich mit der von den Aposteln überlieferten Lehre und mit der Sukzession der Bischöfe. Bei der Abwehr gnostischer Sonderlehren verweist er auf die apostolischen Kirchen und deren öffentlich überlieferte Glaubensregel.

Auch das Neue Testament kennt neben der schriftlichen Überlieferung eine verbindliche mündliche Weitergabe. Paulus fordert die Thessalonicher auf: „Haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief!“ (). Ähnlich erinnert er die Korinther daran, an den Überlieferungen festzuhalten, die er ihnen übergeben hat (), und beauftragt Timotheus, das von ihm Gehörte wiederum zuverlässigen Menschen anzuvertrauen, die fähig sind, andere zu lehren ().

Bühne beruft sich auf , wo Paulus jeden verflucht, der ein anderes Evangelium verkündet als das der Apostel. Darin stimmt die katholische Lehre mit ihm überein: Die Überlieferung bringt kein anderes Evangelium hervor, sondern gibt dasselbe weiter, das die Apostel mündlich und schriftlich übergeben haben (vgl. ).

Die katholische Lehre unterscheidet deshalb zwischen Heiliger Schrift und apostolischer Überlieferung, ohne beide gegeneinander auszuspielen (vgl. ; ). Auch Augustinus, auf den sich Bühne beruft, sah Schrift und Kirche nicht als Gegensätze. Der Katechismus zitiert von ihm den Satz: „Ich würde selbst dem Evangelium keinen Glauben schenken, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewöge“ (). Damit ist noch nicht automatisch jede spätere katholische Lehrentwicklung bewiesen. Aber die Behauptung, bis ins 5. Jahrhundert hätten die Kirchenväter ausschließlich die Schrift als Autorität anerkannt, lässt sich mit den frühchristlichen Quellen kaum vereinbaren.

Quellen

Im Anhang

Papst- und Konzilsentscheidungen seien ebenso „vom Heiligen Geist eingegeben“ wie die Bibel

Bühne schreibt„… gleichbedeutend sind die Lehrentscheidungen von Päpsten, Konzilien usw., die den Anspruch erheben, dass sie »vom Heiligen Geist eingegeben« und daher für jeden röm.-kath. Gläubigen verpflichtend sind.“

Die Kirche lehrtLehrentscheidungen sind verbindlich, aber nicht inspiriert wie die Schrift: „Das Lehramt steht also nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm“ ().

Auf werden zwei unterschiedliche katholische Begriffe miteinander vermischt. Die Inspiration der Heiligen Schrift ist etwas anderes als der Beistand des Heiligen Geistes, den die Kirche für die Bewahrung und verbindliche Auslegung des apostolischen Glaubens beansprucht. Der Katechismus behandelt diese Dinge ausdrücklich getrennt: die Inspiration der Schrift in , das Lehramt in .

Verbindlich sind solche Lehrentscheidungen für Katholiken durchaus; endgültigen Definitionen müssen die Gläubigen „mit Glaubensgehorsam anhangen“ (). Der Katechismus sagt aber ebenso ausdrücklich: „Das Lehramt steht also nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm“ (). Auch eine unfehlbare Lehrentscheidung bringt keine neue Offenbarung hervor: Die Unfehlbarkeit „reicht so weit wie die Hinterlassenschaft der göttlichen Offenbarung“ (), und eine neue öffentliche Offenbarung ist nach katholischer Lehre nicht mehr zu erwarten ().

Ein biblisches Muster für kirchliche Lehrentscheidung findet sich im Apostelkonzil von Jerusalem. Dort wird eine umstrittene Frage gemeinsam entschieden, und der Beschluss beginnt mit den bemerkenswerten Worten: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (). Jesus verheißt seinen Jüngern zudem den Geist, der sie lehren und an seine Worte erinnern wird (), und spricht vom Geist der Wahrheit, der sie in die ganze Wahrheit führen werde (). Paulus nennt die Kirche des lebendigen Gottes „Säule und Fundament der Wahrheit“ (). Das ist nicht identisch mit der Inspiration der Bibel, zeigt aber, warum katholische Theologie zwischen Schriftinspiration und kirchlichem Geistbeistand unterscheidet.

„Die Bibel enthält wohl Gottes Wort, ist aber nicht in allen Teilen Gottes Wort“

Bühne schreibt„Die Bibel enthält wohl Gottes Wort, ist aber nicht in allen Teilen Gottes Wort.“

Die Kirche lehrt„Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes, und weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes“ ().

Auch diese Zusammenfassung auf entspricht nicht der katholischen Schriftlehre. Die Kirche bekennt die Bücher des Alten und Neuen Testaments vollständig und mit allen ihren Teilen als inspiriert und Gott als ihren Urheber (vgl. ). Der oben zitierte Satz des Zweiten Vatikanischen Konzils, den der Katechismus anführt, kehrt Bühnes Formel geradezu um ().

Das steht in Übereinstimmung mit : „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“. Auch erklärt, dass prophetische Schrift nicht aus menschlichem Willen hervorgegangen sei, sondern Menschen „vom Heiligen Geist getrieben“ gesprochen hätten. Jesus selbst behandelt die Schrift als verbindlich und sagt in , dass „die Schrift nicht aufgehoben werden kann“.

Dass katholische Exegese zugleich die menschlichen Verfasser, ihre historischen Situationen und literarischen Formen berücksichtigt (vgl. ), bedeutet daher nicht, dass nur Teile der Bibel Gottes Wort wären.

Katholiken dürften nur kirchlich genehmigte Bibelübersetzungen „benutzen“

Bühne schreibt„Bis heute erlaubt die röm.-kath. Kirche nur den Gebrauch einer Bibel mit kirchlicher Approbation (Erlaubnis).“

Die Kirche lehrtKirchlich genehmigt werden Bibelausgaben für Veröffentlichung und kirchlichen Gebrauch; zum häufigen Lesen der Schrift ruft die Kirche alle Gläubigen eindringlich auf ().

Auch auf wird aus einer kirchenrechtlichen Regelung mehr gemacht, als sie tatsächlich aussagt. Die betreffende Vorschrift regelt insbesondere die Genehmigung von Bibelausgaben und Übersetzungen für Veröffentlichung und kirchlichen Gebrauch. Daraus folgt nicht, dass einem Katholiken grundsätzlich verboten wäre, privat eine andere Bibelübersetzung zu lesen.

Im Gegenteil fordert die katholische Kirche ausdrücklich zur häufigen Schriftlesung auf (vgl. ). Das passt zu der biblischen Wertschätzung des Schriftstudiums: Die Juden in Beröa werden ausdrücklich dafür gelobt, dass sie täglich in den Schriften forschten (), und Paulus fordert Timotheus auf, das Wort der Wahrheit richtig auszulegen (). Gleichzeitig zeigt , dass die Schrift nach neutestamentlichem Verständnis nicht immer selbsterklärend ist: Der äthiopische Kämmerer fragt Philippus, wie er verstehen solle, „wenn mich niemand anleitet“.

Trient habe die „Apokryphen“ erst hinzugefügt, um katholische Lehren gegen die Reformatoren zu rechtfertigen

Bühne schreibt„Es ist nahe liegend, dass das Trienter Konzil als Reaktion auf die Reformation die Apokryphen der Bibel hinzufügte …“

Die Kirche lehrtDie Kirche zählt diese Bücher seit alters zur Schrift; sie stehen schon in Kanonlisten des 4. Jahrhunderts und beim Konzil von Florenz 1442 (vgl. ).

Die Darstellung auf ist historisch problematisch. Die heute katholisch sogenannten deuterokanonischen Bücher wurden nicht erst im 16. Jahrhundert erfunden oder erstmals als Heilige Schrift behandelt. Sie finden sich bereits viele Jahrhunderte vor der Reformation in kirchlichen Kanonlisten und wurden liturgisch verwendet. Der Katechismus zählt sie zu den 46 Büchern des Alten Testaments und verweist dafür neben Trient auf das Konzil von Florenz (1442) und auf eine Liste, die auf Papst Damasus im 4. Jahrhundert zurückgeführt wird (vgl. ).

Auch innerhalb des Neuen Testaments gibt es interessante Berührungspunkte. erinnert auffällig an die Märtyrererzählungen aus . enthält Motive, die christliche Leser früh mit der Passion Christi in Verbindung brachten. – die Vergebung des Nächsten im Zusammenhang mit der eigenen Bitte um Vergebung – hat eine deutliche sachliche Parallele zu .

Das bedeutet nicht, dass damit jede Kanonfrage erledigt wäre. Es zeigt aber, dass die Behauptung, Trient habe diese Bücher erst aus apologetischen Gründen „hinzugefügt“, die tatsächliche Vorgeschichte stark verkürzt.

Im Anhang

Der gefallene Mensch könne sich „mit eigener Kraft“ retten oder Verdienste erwerben

Bühne schreibt„Er kann sich mit eigener Kraft aus »aller Knechtschaft der Leidenschaft« befreien.“

Die Kirche lehrtOhne die Gnade Christi kann niemand gerechtfertigt werden, und auch die Mitwirkung des Menschen ist selbst eine Wirkung der Gnade (; ).

Auf wird der katholischen Lehre etwas zugeschrieben, das sie gerade nicht sagt: dass sich der Mensch aus eigener Kraft erlösen könne. Sie betont vielmehr, dass selbst der Anfang der Umkehr und Rechtfertigung von Gottes Gnade ermöglicht wird (vgl. ). Niemand kann die erste Gnade der Vergebung und Rechtfertigung verdienen ().

Richtig ist, dass die menschliche Natur nach katholischer Lehre „nicht durch und durch verdorben“ ist. Sie ist aber „in ihren natürlichen Kräften verletzt“ und „zur Sünde geneigt“ (). Dass sich der Mensch deshalb selbst befreien könne, folgt daraus gerade nicht. Das Wort von der „Knechtschaft der Leidenschaften“ stammt aus einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils (Gaudium et spes 17), den Bühne selbst anführt. Dort heißt es unmittelbar danach: „Die Freiheit des Menschen, die durch die Sünde verwundet ist, kann nur mit Hilfe der Gnade Gottes die Hinordnung auf Gott zur vollen Wirksamkeit bringen“ (). Das Konzil von Trient verurteilt ausdrücklich die Behauptung, der Mensch könne durch seine Werke „ohne die göttliche Gnade durch Jesus Christus“ vor Gott gerechtfertigt werden oder ohne die zuvorkommende Eingebung des Heiligen Geistes so glauben, hoffen, lieben und bereuen, wie es für die Rechtfertigung notwendig ist (). Wenn Katholiken sagen, der Mensch „mitwirke“ bei der Rechtfertigung, sehen sie darin nach der Gemeinsamen Erklärung von 1999 „eine Wirkung der Gnade und kein Tun des Menschen aus eigenen Kräften“ (). Und dass der Mensch, der sündigt, „Sklave der Sünde“ ist (), worauf Bühne verweist, sagt auch der Katechismus ().

Das entspricht : „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.“ Auch ist eindeutig: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Paulus beschreibt sein eigenes apostolisches Wirken nicht als unabhängige menschliche Leistung, sondern sagt: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ und „nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir“ ().

Wenn katholische Theologie von „Verdienst“ spricht, setzt sie deshalb immer Gottes vorausgehende Gnade und die Gemeinschaft mit Christus voraus (vgl. ). Wenn Katholiken an der „Verdienstlichkeit“ guter Werke festhalten, wollen sie damit nicht verneinen, „daß die Rechtfertigung selbst stets unverdientes Gnadengeschenk bleibt“ (). Gerade verbindet menschliches Handeln und göttliches Wirken unmittelbar miteinander: Die Gläubigen sollen handeln, „denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt“.

Das Messopfer bedeute, das Kreuzesopfer Jesu habe nicht ausgereicht

Bühne schreibt„… die röm.-kath. Lehre vom Messopfer eine schwerwiegende und weitreichende Irrlehre ist, die das Erlösungswerk unseres Herrn schmälert und relativiert.“

Die Kirche lehrtDie Messe ist kein zweites Opfer neben dem Kreuz: Kreuzesopfer und Eucharistie sind „ein einziges Opfer“ ().

Die Deutung auf ist nicht die katholische Lehre. Christus wird in der Messe weder erneut gekreuzigt noch stirbt er immer wieder. Sein Kreuzesopfer bleibt einmalig, vollkommen und unwiederholbar. sagt ausdrücklich, dass wir „geheiligt sind durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“; fügt hinzu, dass Christus „durch ein einziges Opfer“ die Geheiligten für immer vollendet hat.

Genau diese Einmaligkeit bekennt auch die katholische Kirche. Die Eucharistie wird nicht als zweites Opfer neben Golgatha verstanden, sondern als sakramentale Vergegenwärtigung desselben einen Opfers (vgl. ). Deshalb heißt es in ausdrücklich, Kreuzesopfer und Eucharistie seien „ein einziges Opfer“. Wenn der Katechismus sagt, die Eucharistie werde als Opfer „auch zur Vergebung der Sünden der Lebenden und der Toten dargebracht“ (), ist das kein Zusatz zum Kreuz: Sie „wendet dessen Frucht zu“ (), also die Erlösung, die Christus am Kreuz ein für allemal erwirkt hat. Gerade die Stellen, mit denen Bühne gegen das Messopfer argumentiert, führt auch der Katechismus an: dort, wo er das einzige Priestertum Christi beschreibt (), und das „ein für allemal“ des Kreuzesopfers dort, wo er erklärt, warum die Eucharistie ein Opfer ist ().

Die katholische Argumentation stützt sich dabei unter anderem auf Jesu Auftrag „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (), auf Paulus, der den eucharistischen Kelch als „Teilhabe am Blut Christi“ und das Brot als „Teilhabe am Leib Christi“ bezeichnet (), und auf die Verheißung des Propheten Maleachi, dass unter den Völkern an jedem Ort eine reine Opfergabe dargebracht wird (). Schon die Didache, Justin der Märtyrer und Irenäus von Lyon beziehen diese Verheißung ausdrücklich auf die Eucharistie. Wer diese Deutung exegetisch ablehnt, kann sie selbstverständlich kritisieren. Man sollte sie aber nicht so darstellen, als lehre die katholische Kirche, Golgatha sei unzureichend gewesen.

Quellen

Im Anhang

„Der Priester allein“ könne Sünden vergeben

Bühne schreibt„Er wird als Stellvertreter Christi, Vorsteher und Richter bezeichnet, der allein Sünden vergeben kann.“

Die Kirche lehrtNur Gott vergibt Sünden; der Priester ist dabei sein Diener und Werkzeug (; ; ).

Der Katechismus beginnt die Lehre, um die es auf geht, mit dem klaren Satz: „Gott allein kann Sünden vergeben“ (). Der Priester besitzt also keine von Gott unabhängige Vergebungsmacht.

Die katholische Begründung setzt bei an. Der auferstandene Christus sagt zu den Aposteln: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“, haucht sie an und fährt fort: „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen“. Ebenso spricht Paulus vom „Dienst der Versöhnung“, den Gott den Aposteln übertragen habe (). Schon als Jesus einem Gelähmten die Sünden vergibt, preisen die Leute Gott, „der solche Vollmacht den Menschen gegeben hat“ (; vgl. ). Auch verbindet Sündenvergebung, das Gebet der Ältesten und die kirchliche Krankensalbung.

Die katholische Lehre versteht den Priester deshalb als Diener einer Vergebung, die ausschließlich von Gott kommt (vgl. ; ). Der Katechismus sagt es ausdrücklich: „Der Beichtvater ist nicht Herr, sondern Diener der Vergebung Gottes“ ().

Zutreffend ist an Bühnes Darstellung: Im Bußsakrament können nur Priester, die von der kirchlichen Autorität die Absolutionsvollmacht erhalten haben, „im Namen Christi Sünden vergeben“ (), und für schwere Sünden ist die persönliche Beichte mit der Lossprechung „das einzige ordentliche Mittel zur Versöhnung mit Gott und der Kirche“ (). Doch auch dabei sind der Priester und die Sakramente „gleichsam nur die Werkzeuge“, durch die Christus die Vergebung bewirkt (). Und Gott vergibt nicht nur in der Beichte: Die Taufe ist „das erste und bedeutsamste Sakrament der Sündenvergebung“ (), vollkommene Reue erlangt zusammen mit dem festen Entschluss zur Beichte auch die Vergebung schwerer Sünden (), und die Eucharistie tilgt die lässlichen Sünden (). Auch , worauf sich Bühne für das Bekenntnis vor Gott beruft, zitiert der Katechismus selbst (): Das Bekenntnis vor Gott und die Beichte schließen einander nicht aus.

Das katholische Priestertum sei eine konkurrierende „Gnadenvermittlung“ neben Christus

Bühne schreibt„Nach Auffassung der röm.-kath. Kirche wird die Priesterweihe in Worten und äußeren Zeichen (Handauflegung) vollzogen und vermittelt Gnade.“

Die Kirche lehrtDie Weihe verleiht Gnade, aber nicht neben Christus: Durch den geweihten Diener handelt Christus selbst ().

Anders als es auf dargestellt wird, gibt es nach katholischer Lehre keinen zweiten Erlöser und keinen zweiten Mittler neben Christus (vgl. ). bleibt ausdrücklich maßgeblich: „Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und Menschen: der Mensch Christus Jesus“. Ebenso bezeichnet der Hebräerbrief Christus als den vollkommenen und bleibenden Hohenpriester (). Genau mit diesen Stellen, auf die sich auch Bühne beruft, erklärt der Katechismus das einzige Priestertum Christi: Christus ist der eine „Mittler zwischen Gott und den Menschen“ und hat „durch ein einziges Opfer“ die Geheiligten für immer vollendet ().

Das katholische Amtspriestertum soll deshalb nicht an die Stelle Christi treten, sondern an seinem einen Priestertum Anteil haben und ihm dienen (vgl. ). Der Katechismus zitiert dazu Thomas von Aquin: „Und deshalb ist allein Christus wahrer Priester, die anderen aber sind seine Diener“ (). Zutreffend beschreibt Bühne, dass die Weihe durch Handauflegung und Gebet gespendet wird, Gnade verleiht und in drei Stufen übertragen wird (vgl. ; ; ). Doch auch diese Gnade wirkt nicht neben Christus: „Letztlich handelt Christus selbst durch den geweihten Diener und wirkt durch ihn das Heil“ (). Zugleich kennt das Neue Testament verschiedene kirchliche Dienste. Paulus und Barnabas setzen Älteste in den Gemeinden ein (), Timotheus empfängt eine Gabe durch Handauflegung (; ), und Titus wird beauftragt, in jeder Stadt Presbyter (griechisch presbyteroi, „Älteste“; davon leitet sich das deutsche Wort „Priester“ ab) einzusetzen ().

Daneben bleibt das gemeinsame Priestertum aller Getauften bestehen, das ausdrücklich beschreibt. Genau diese Unterscheidung zwischen allgemeinem Priestertum und besonderem Dienst übernimmt die katholische Lehre (vgl. ; ).

Im Anhang

Jeder Mensch, der sich nicht dem Papst unterwirft, gehe automatisch ewig verloren

Bühne schreibt„Jeder, der sich nicht dem Papst unterwirft, schließt sich nach dieser Lehre vom Heil aus, geht also ewig verloren.“

Die Kirche lehrtNicht gerettet werden kann, wer die Kirche als notwendig erkannt hat und sich ihr dennoch verweigert; wer sie ohne eigene Schuld nicht kennt, ist davon ausdrücklich ausgenommen ().

Die pauschale Aussage auf gibt die katholische Lehre nicht wieder. Zwar hält die Kirche daran fest, dass sie zum Heil notwendig ist, und lehrt, dass nicht gerettet werden kann, wer das weiß und dennoch nicht in sie eintreten oder in ihr ausharren will (). Sie unterscheidet aber ausdrücklich zwischen einer solchen bewussten Zurückweisung und einer Unkenntnis, für die ein Mensch nicht persönlich verantwortlich ist (vgl. ).

Diese Unterscheidung besitzt eine biblische Grundlage. Jesus selbst unterscheidet in zwischen dem Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, und demjenigen, der ihn nicht kennt. In sagt er sogar: „Wenn ich nicht gekommen wäre und nicht zu ihnen gesprochen hätte, wären sie ohne Sünde“. Auch Paulus spricht in von unterschiedlicher Verantwortlichkeit entsprechend der empfangenen Erkenntnis.

Zugleich lehrt die katholische Kirche, dass getaufte nichtkatholische Christen in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit ihr stehen (vgl. ). Denen, die in solchen Gemeinschaften geboren sind und an Christus glauben, „können keine Vorwürfe wegen der Sünde der Trennung gemacht werden“; sie werden „aufgrund des Glaubens in der Taufe gerechtfertigt“ und von Katholiken „als Brüder im Herrn anerkannt“ (). Das passt zu dem neutestamentlichen Bild eines einzigen Leibes Christi (), ohne daraus eine pauschale Verdammung jedes nichtkatholischen Christen abzuleiten.

Maria werde „angebetet“, sei ein „Abgott“ und habe Jesus ersetzt

Bühne schreibt„Die röm.-kath. Kirche lehrt, dass Jesus seiner Mutter keine Bitte abschlagen würde und sie deswegen als »Fürsprecherin« oder »Mittlerin« anzubeten sei.“

Die Kirche lehrtMaria wird als Fürsprecherin angerufen, aber nicht angebetet; ihre Verehrung unterscheidet sich „wesentlich vom Kult der Anbetung“ (; ).

Die Darstellung auf trifft die katholische Position besonders deutlich nicht. Anbetung gebührt nach katholischem Verständnis allein Gott (vgl. ). Die Verehrung Marias wird ausdrücklich von der Anbetung Gottes unterschieden (vgl. ), und Christus bleibt der einzige Erlöser und Mittler (vgl. ; ; ). Tatsächlich ruft die Kirche Maria „unter den Titeln der Fürsprecherin, der Helferin, des Beistandes und der Mittlerin“ an (). Angerufen heißt aber nicht angebetet, und der Katechismus stellt sofort klar, dass Marias Aufgabe „die einzige Mittlerschaft Christi in keiner Weise“ verdunkelt oder vermindert (). Dass Fürbitte den einen Mittler nicht verdrängt, zeigt gerade , worauf sich Bühne beruft: Bevor Paulus Christus den einen Mittler nennt, fordert er „zu Fürbitte und Danksagung“ für alle Menschen auf (). Nach dem Katechismus hat die Fürbitte der Christen „an der Fürbitte Christi teil“ ().

Die besondere Ehrung Marias wird biblisch vor allem aus dem Lukasevangelium begründet. Elisabeth begrüßt sie mit den Worten: „Gesegnet bist du unter den Frauen“ (), und Maria selbst sagt: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (). Der Grund dafür liegt nicht in einer unabhängigen Größe Marias, sondern ausdrücklich im Handeln Gottes: „Der Mächtige hat Großes an mir getan“ (). Wenn Maria Gott „meinen Retter“ nennt (), worauf Bühne verweist, widerspricht das der katholischen Lehre nicht. Selbst ihre einzigartige Heiligkeit „kommt ihr nur Christi wegen zu“, denn auch sie ist durch ihn erlöst ().

Auch wird im katholischen Verständnis als Beispiel ihrer Fürbitte gelesen (vgl. ): Maria weist auf die Not des Brautpaares hin und sagt anschließend zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut!“ (). Gerade dieser Satz richtet den Blick nicht weg von Christus, sondern auf ihn. Dass Jesus seine Mutter dabei mit „Frau“ anredet (), worauf Bühne verweist, ist keine Zurücksetzung: Mit demselben Wort gibt er sie am Kreuz dem Jünger zur Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ (; vgl. ).

Nur die „Apokryphen“ lieferten Belege für Fegefeuer und Fürbitte der Heiligen

Bühne schreibt„Nur in diesen Apokryphen finden sich Belege für die Anrufung und Fürbitte der Heiligen, für die Fegefeuerlehre, für das Gebet zugunsten der Toten usw.“

Die Kirche lehrtDie Lehre vom Fegefeuer stützt sich auch auf das Neue Testament, etwa auf und ().

Auch die Aussage auf ist zu pauschal. Die katholische Lehre beruft sich beim Fegefeuer nicht nur auf , sondern auch auf neutestamentliche Texte. Besonders häufig wird genannt: Das Werk eines Menschen wird im Feuer geprüft; er selbst „wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer“. Ebenso wird herangezogen, wo Jesus von einer Sünde spricht, die „weder in dieser noch in der zukünftigen Welt“ vergeben werde. Der Katechismus selbst verweist auf und und zitiert zu Gregor den Großen ().

Die katholische Lehre versteht das Fegefeuer deshalb als endgültige Reinigung bereits Geretteter, nicht als zweite Erlösungschance (vgl. ).

Auch die Fürbitte der Heiligen wird nicht ausschließlich auf deuterokanonische Texte gestützt. beschreibt die Ältesten im Himmel mit goldenen Schalen voll Weihrauch, „das sind die Gebete der Heiligen“. In steigen die Gebete der Heiligen vor Gott auf. spricht zudem von einer „Wolke von Zeugen“, die die Gläubigen umgibt. Ob diese Stellen zwingend die katholische Praxis beweisen, kann diskutiert werden; die Behauptung, es gebe dafür keinerlei neutestamentliche Grundlage, ist jedoch zu stark. Der Katechismus begründet die Fürbitte der Heiligen mit ihrer Gemeinschaft mit Christus, dem einen Mittler (vgl. ; ).

Im Anhang

Fegefeuer bedeute „keine Heilsgewissheit“

Bühne schreibt„Da der röm.-kath. Gläubige in Ungewissheit gehalten wird, ob und wie viel Sündenstrafen nach seinem Tod noch abzubüßen sind, kennt er keine Heilsgewissheit.“

Die Kirche lehrtWer ins Fegefeuer kommt, ist seines Heils sicher, und kein Glaubender darf an Gottes Barmherzigkeit zweifeln (; ).

Auf fehlt das Entscheidende: Wer nach katholischer Lehre ins Fegefeuer kommt, ist „seines ewigen Heiles sicher“ (). Das Fegefeuer ist keine Zwischenstufe, in der noch entschieden würde, ob jemand Himmel oder Hölle erreicht, sondern eine Reinigung der bereits Geretteten (vgl. ).

Deshalb spielt in der katholischen Argumentation eine so wichtige Rolle: Der Betreffende erleidet Verlust, „er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer“. ergänzt das Motiv, dass nichts Unreines in die himmlische Stadt eingehen wird. Das Fegefeuer wird daher nicht als Konkurrenz zur Erlösung Christi verstanden, sondern als deren endgültige reinigende Anwendung.

Auch die Bibelstellen, die Bühne anführt, widersprechen dem nicht. Für die, die in Christus Jesus sind, gibt es „keine Verurteilung mehr“ (), und das Fegefeuer ist nach katholischer Lehre gerade „von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden“ (). Die Sehnsucht des Paulus, „aufzubrechen und bei Christus zu sein“ (), zitiert der Katechismus selbst (), ebenso das Gleichnis vom armen Lazarus () als Zeugnis für das Gericht unmittelbar nach dem Tod ().

Auch Bühnes weitere Begründungen treffen die katholische Lehre nicht. Die Rechtfertigung wird nicht durch Werke verdient: Niemand kann die erste Gnade verdienen, aus der die Bekehrung, die Vergebung und die Rechtfertigung hervorgehen (). Und nicht jede ungebüßte Sünde führt zur Hölle: Die lässliche Sünde nimmt weder die heiligmachende Gnade noch die ewige Seligkeit (); endgültig von Gott trennt nur die schwere Sünde, die nicht bereut wird (; ). Richtig ist, dass die Kirche keine Gewissheit lehrt, die sich auf eigene Gefühle oder Werke stützt (), und dass niemand ohne besondere Offenbarung mit unfehlbarer Gewissheit wissen kann, ob er bis zum Ende ausharrt (). Sie setzt stattdessen auf die Hoffnung, die „auf die Verheißungen Christi“ vertraut und sich „nicht auf unsere Kräfte, sondern auf die Gnadenhilfe des Heiligen Geistes“ verlässt (). Die Gemeinsame Erklärung sagt es aus katholischer Sicht so: „Keiner darf an Gottes Barmherzigkeit und an Christi Verdienst zweifeln.“ Und: „In allem Wissen um sein eigenes Versagen darf der Glaubende dessen gewiß sein, daß Gott sein Heil will“ ().

Im Anhang

Fazit

Bühnes Anliegen ist ernst zu nehmen: Er möchte, dass Christen die Lehre der Kirche mit der Heiligen Schrift vergleichen (). Auch die katholische Kirche ruft eindringlich dazu auf, die Schrift häufig zu lesen (). Die vierzehn hier geprüften Aussagen geben die katholische Lehre aber nicht so wieder, wie die Kirche sie selbst versteht.

Dabei zeigt sich ein Muster: Oft zitiert Bühne zutreffend und zieht dann einen Schluss, den der zitierte Text nicht trägt. Er führt selbst den Katechismus an, wonach die menschliche Natur „nicht durch und durch verdorben“ ist, und zitiert ein Konzilswort samt dem Satz, die durch die Sünde verwundete Freiheit könne „nur mit Hilfe der Gnade Gottes die Hinordnung auf Gott zur vollen Wirksamkeit bringen“ (). Seine Zusammenfassung lautet dann, der „Kern des Menschen“ sei gut geblieben und der Mensch könne sich „mit eigener Kraft“ befreien (). Er erwähnt die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre (), nicht aber ihr Bekenntnis „Allein aus Gnade“ (). Und viele Bibelstellen, die er gegen die katholische Lehre anführt, zitiert der Katechismus selbst, etwa und (). Wer das Buch liest, kann jede weitere Aussage auf dieselbe Weise prüfen: am Katechismus, der frei zugänglich ist.

Echte Unterschiede bleiben, und sie sollen nicht kleingeredet werden: das Verhältnis von Glaube und Werken in der Rechtfertigung, die Zahl der Sakramente, die Mariendogmen, das Papstamt und seine Unfehlbarkeit, das Fegefeuer und der Ablass. Entscheidend ist, das Überlieferte zu erkennen, so wie die Kirche es selbst lehrt und versteht. Dazu will diese Rezension beitragen.

Anhang

Kirchengeschichte

Eine Auswahl von Zeugnissen der frühen Kirche, von Clemens von Rom bis Tertullian, jeweils mit den Stellen aus der Bibel und dem Katechismus und mit den Quellentexten der Kirchenväter. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Zusammen ergeben diese Zeugnisse dennoch ein klares Bild. Die frühe Kirche kennt Bischöfe, Presbyter und Diakone in der Nachfolge der Apostel, feiert die Eucharistie als Leib und Blut Christi und als Opfer, versteht die Taufe als Wiedergeburt, betet für die Verstorbenen und prüft die Lehre an der Schrift und an der Überlieferung der apostolischen Kirchen. Die Kennzeichen protestantischer und besonders freikirchlicher Theologie und Praxis fehlen dagegen. In keinem dieser Zeugnisse findet sich die Schrift als alleinige Glaubensregel ohne verbindliche Überlieferung, eine Gemeinde ohne Amtsträger in der Nachfolge der Apostel, ein Abendmahl als bloßes Gedächtnismahl oder eine Taufe als bloßes Bekenntniszeichen. Als geschlossene Lehre gibt es diese Positionen erst seit der Reformation im 16. Jahrhundert.

  1. Um 96 n. Chr.

    Clemens von Rom spricht bereits von apostolischer Amtsnachfolge

    Clemens von Rom – Bischof von Rom, nach Irenäus der dritte Nachfolger der Apostel (nach Linus und Anaklet); er kannte die Apostel noch persönlich.

    Der 1. Clemensbrief liegt zeitlich bemerkenswert nahe an der apostolischen Generation. Dort wird beschrieben, dass die Apostel Bischöfe und Diakone einsetzten und Vorsorge dafür trafen, dass nach deren Tod andere bewährte Männer ihren Dienst übernehmen sollten.

    Ein entsprechendes Prinzip ist bereits im Neuen Testament zu erkennen. Nach dem Tod des Judas wird sein Amt nicht einfach aufgehoben, sondern Matthias tritt an seine Stelle (). Paulus und Barnabas setzen in den Gemeinden Älteste ein (), und Paulus beauftragt Timotheus, das Empfangene an zuverlässige Männer weiterzugeben, die wiederum andere lehren können (). In wird Titus ausdrücklich damit beauftragt, in jeder Stadt Presbyter einzusetzen.

    Die katholische Kirche bezeichnet diese fortgesetzte Weitergabe des apostolischen Amtes als apostolische Sukzession (vgl. ). Das beweist noch nicht jedes spätere Detail des katholischen Amtsverständnisses, zeigt aber, dass geordnete Amtsnachfolge keine mittelalterliche Neuerfindung ist.

    Quellen

  2. Spätes 1./frühes 2. Jahrhundert

    Die Didache kennt Taufe, Eucharistie, Sonntagsversammlung, Sündenbekenntnis sowie Bischöfe und Diakone

    Didache – Gemeindeordnung eines unbekannten Verfassers, wohl aus Syrien; die älteste erhaltene Kirchenordnung.

    Die Didache zeigt eine frühe christliche Gemeindeordnung, die bereits erstaunlich viele Elemente kennt, die später selbstverständlich zum katholischen Kirchenleben gehören: Taufe, Eucharistie, regelmäßige Versammlung am Herrentag, Sündenbekenntnis und geordnete Ämter.

    Diese Dinge stehen zugleich in engem Zusammenhang mit dem Neuen Testament. verbindet die Taufe mit dem Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. verbindet Taufe, Vergebung, apostolische Lehre, Gemeinschaft und Brotbrechen. berichtet von einer Versammlung „am ersten Tag der Woche“, um das Brot zu brechen. nennt bereits Bischöfe und Diakone (griechisch episkopoi und diakonoi, wörtlich Aufseher und Diener).

    Es ist daher schwer, eine sakramentale und geordnete Kirchenstruktur pauschal als spätere mittelalterliche Entwicklung darzustellen.

    Quellen

  3. Anfang des 2. Jahrhunderts

    Ignatius von Antiochien vertritt eine sehr reale Eucharistieauffassung

    Ignatius von Antiochien – Bischof von Antiochien in Syrien; schrieb auf dem Weg zu seinem Martyrium in Rom sieben Briefe.

    Ignatius kritisiert christliche Gruppen gerade deshalb, weil sie nicht bekennen, dass die Eucharistie das Fleisch Jesu Christi sei. Gleichzeitig bindet er die Feier der Eucharistie an den Bischof oder an jemanden, der von ihm dazu beauftragt wurde.

    Das ist für die Frage nach der frühen Eucharistieauffassung bedeutend. Schon Paulus fragt in : „Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“ In warnt er davor, sich „am Leib und am Blut des Herrn“ schuldig zu machen, wenn man unwürdig von Brot und Kelch isst. Auch Jesu Worte „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“ in wurden in der frühen Kirche offensichtlich nicht ausschließlich als unverbindliche Symbolsprache verstanden.

    Die spätere scholastische Erklärung des Begriffs „Transsubstantiation“ findet sich bei Ignatius natürlich noch nicht. Eine ausschließlich symbolische Eucharistielehre lässt sich aber ebenso wenig als die unbestrittene Position der frühesten Christen darstellen (vgl. ).

    Quellen

  4. Um 150

    Justin der Märtyrer beschreibt einen strukturierten Sonntagsgottesdienst

    Justin der Märtyrer – Philosoph aus Samarien, nach seiner Bekehrung christlicher Lehrer in Rom; verteidigte den Glauben in Schriften an den Kaiser und starb um 165 als Märtyrer.

    Justin berichtet von einer sonntäglichen Versammlung, in der aus den apostolischen und prophetischen Schriften gelesen wird. Anschließend folgt eine Auslegung, danach gemeinsames Gebet und schließlich die Eucharistie.

    Diese Struktur besitzt auffällige Parallelen zum Neuen Testament. verbindet den ersten Tag der Woche mit dem Brotbrechen; nennt das öffentliche Vorlesen, Ermahnen und Lehren; beschreibt die frühe Gemeinde mit den vier Kennzeichen „Lehre der Apostel“, „Gemeinschaft“, „Brechen des Brotes“ und „Gebete“.

    Die katholische Liturgie versteht die Verbindung von Wortgottesdienst und Eucharistie bis heute als zwei zusammengehörige Teile derselben Feier (vgl. ). Die Grundstruktur ist also keineswegs eine spätmittelalterliche Erfindung.

    Quellen

  5. Justin versteht die Eucharistie nicht als gewöhnliches Brot und gewöhnlichen Trank

    Justin erklärt ausdrücklich, Christen betrachteten die Eucharistie nicht als gewöhnliche Nahrung. Er verbindet sie vielmehr mit dem Fleisch und Blut des menschgewordenen Christus.

    Auch Paulus spricht in nicht nur von einem Erinnerungszeichen, sondern von „Teilhabe am Blut Christi“ und „Teilhabe am Leib Christi“. In warnt er davor, den Leib des Herrn nicht zu unterscheiden.

    Jesus selbst spricht in so deutlich, dass viele Jünger Anstoß nehmen: „Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank“ (). Bühne liest diese Worte als Bild und beruft sich auf : „Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts“ (). Katholische Ausleger weisen darauf hin, dass Jesus dort vom „Fleisch“ spricht und nicht von „meinem Fleisch“, das er kurz zuvor als Brot „für das Leben der Welt“ bezeichnet (). Und als viele Jünger weggehen, ruft er sie nicht mit einer bildlichen Erklärung zurück, sondern fragt die Zwölf: „Wollt auch ihr weggehen?“ (; vgl. ).

    Die katholische Lehre von der wirklichen Gegenwart Christi in der Eucharistie steht daher zumindest in einer sehr alten christlichen Auslegungstradition (vgl. ).

    Quellen

  6. Justin verbindet die Taufe mit Sündenvergebung und Wiedergeburt

    Eine rein symbolische Taufauffassung lässt sich ebenfalls nicht ohne Weiteres zur einzig ursprünglichen christlichen Position erklären. Justin verbindet die Taufe bereits mit Wiedergeburt und Vergebung.

    Das Neue Testament verwendet eine ähnlich starke Sprache. Petrus sagt: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden“ (). Paulus wird aufgefordert: „Steh auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen“ (). In verbindet Paulus die Taufe mit dem Tod und der Auferstehung Christi; spricht vom „Bad der Wiedergeburt“, und spricht sogar von der Taufe, „die jetzt euch rettet“.

    Das katholische Verständnis der Taufe als wirksames Sakrament steht deshalb nicht ohne biblische und frühchristliche Grundlage da (vgl. ; ).

    Quellen

  7. Um 180

    Irenäus beruft sich ausdrücklich auf apostolische Tradition und Bischofsnachfolge

    Irenäus von Lyon – Bischof von Lyon in Gallien; stammte aus Kleinasien und hörte in seiner Jugend Polykarp, der noch von den Aposteln unterrichtet worden war.

    Irenäus argumentiert gegen gnostische Sonderlehren nicht ausschließlich mit einzelnen Schriftstellen. Er verweist ebenso auf die öffentlich überlieferte apostolische Lehre und auf die Gemeinden, deren Bischöfe in einer geschichtlichen Verbindung zu den Aposteln stehen.

    Dieses Vorgehen besitzt neutestamentliche Parallelen. Paulus fordert die Christen auf, an den Überlieferungen festzuhalten, die sie „sei es mündlich, sei es durch einen Brief“ empfangen haben (). Timotheus soll das von Paulus Gehörte wiederum zuverlässigen Lehrern anvertrauen (). Titus soll in den Städten Presbyter einsetzen ().

    Apostolische Überlieferung und Amtssukzession sind daher bereits im 2. Jahrhundert deutlich greifbar und passen zu neutestamentlichen Strukturen (vgl. ; ).

    Quellen

  8. Irenäus hebt die Kirche von Rom schon im 2. Jahrhundert besonders hervor

    Man sollte daraus nicht unmittelbar jedes spätere Papstdogma ableiten. Dennoch ist historisch bemerkenswert, dass Irenäus gerade die römische Kirche als besonders wichtiges Beispiel apostolischer Kontinuität anführt und ihre Bischofsfolge aufzählt.

    Die Liste beginnt mit Linus: Ihm übertrugen die Apostel nach Irenäus die Leitung der römischen Kirche, und Paulus erwähnt ihn in . Eigene Schriften oder Aussagen von Linus sind nicht erhalten. An dritter Stelle nach den Aposteln folgt Clemens, dessen Brief an die Gemeinde in Korinth am Anfang dieses Anhangs steht.

    Das Neue Testament selbst räumt Petrus eine auffällige Stellung ein. Jesus gibt ihm die Schlüssel des Himmelreiches (), betet besonders für seinen Glauben und beauftragt ihn, seine Brüder zu stärken (). In erhält Petrus dreimal den Auftrag, die Herde zu weiden, zuletzt mit den Worten: „Weide meine Schafe!“ In der Apostelgeschichte ist er Sprecher bei der Wahl des Matthias (), hält die Pfingstpredigt (), spielt eine Schlüsselrolle bei der Aufnahme der Heiden () und spricht beim Apostelkonzil ().

    Das Bild der Schlüssel greift auf das Alte Testament zurück. Beim Propheten Jesaja setzt Gott Eljakim an Stelle Schebnas als Palastvorsteher des Königs ein: „Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen. Er wird öffnen und niemand ist da, der schließt; er wird schließen und niemand ist da, der öffnet“ (). Der Schlüssel steht für ein Amt, das im Auftrag des Königs ausgeübt wird und von einem Träger auf den nächsten übergeht (). Den Schlüssel Davids hat Christus selbst (); Petrus erhält die Schlüssel als Verwalter in seinem Auftrag, also die Vollmacht, „das Haus Gottes, die Kirche, zu leiten“ ().

    Die katholische Deutung des Petrusdienstes entsteht also nicht aus einem völligen historischen und biblischen Vakuum (vgl. ; ).

    Quellen

  9. Irenäus bezeichnet die Eucharistie als Opfergabe der Kirche

    Auch die Verbindung von Eucharistie und Opfer ist älter als das Mittelalter. Irenäus spricht von der Opfergabe der Kirche und verbindet die Eucharistie mit christlicher Darbringung und Danksagung.

    Die katholische Kirche versteht dies nicht als erneute Tötung Christi. Das Kreuzesopfer bleibt einmalig. In der Eucharistie wird dieses eine Opfer sakramental gegenwärtig (vgl. ). Paulus verbindet in ausdrücklich Eucharistie, Tischgemeinschaft und Opferterminologie. spricht davon, dass Christen einen „Altar“ haben, während die Gläubigen auffordert, sich „zu einer heiligen Priesterschaft“ aufbauen zu lassen, „um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen“.

    Die Sprache von Opfer und Eucharistie ist deshalb bereits sehr früh christlich belegt.

    Quellen

  10. Um 200

    Tertullian argumentiert nicht mit „Schrift allein“ im modernen evangelikalen Sinn

    Tertullian – Theologe in Karthago und der erste bedeutende lateinisch schreibende Kirchenschriftsteller; wandte sich später den Montanisten zu, einer strengen prophetischen Bewegung.

    Tertullian besitzt eine sehr hohe Sicht der Heiligen Schrift. Gleichzeitig betrachtet er die apostolischen Kirchen, deren überlieferte Lehre und deren geschichtliche Kontinuität als wichtige Kriterien, um neue Irrlehren zurückzuweisen.

    Damit steht er näher an dem Muster von , wo Paulus schriftliche und mündliche apostolische Überlieferung nebeneinander nennt, als an der Vorstellung, die Kirche habe ausschließlich einen bereits vollständig festgelegten Bibelkanon benutzt, um jede Glaubensfrage individuell zu entscheiden.

    Die katholische Verbindung von Schrift und apostolischer Überlieferung (vgl. ) ist deshalb keineswegs erst eine Reaktion auf die Reformation.

    Quellen

  11. Der vollständige heutige neutestamentliche Kanon lag den ersten Christen noch nicht als Sammlung von 27 Büchern vor

    Die neutestamentlichen Schriften wurden früh als hochautoritative apostolische Texte gelesen. zählt Paulusbriefe bereits zu den „Schriften“, zeigt, dass apostolische Briefe zwischen Gemeinden ausgetauscht wurden, und verlangt deren öffentliche Verlesung.

    Trotzdem existierte im 1. und frühen 2. Jahrhundert noch keine überall abschließend festgelegte Sammlung genau jener 27 Bücher, die heute das Neue Testament bilden. Die genaue Abgrenzung wurde über längere Zeit innerhalb der Kirche geklärt.

    Das ist für die Frage nach „Schrift allein“ von Bedeutung. Die ersten Christen besaßen die Heilige Schrift, aber sie lebten zugleich innerhalb einer apostolischen Lehr-, Gottesdienst- und Amtsgemeinschaft. Auch und zeigen, dass nicht alles, was Jesus tat und lehrte, schriftlich aufgezeichnet wurde. Der katholische Gedanke, dass die Kirche den Kanon nicht geschaffen, aber in der apostolischen Überlieferung erkannt und bewahrt hat, fügt sich in diesen historischen Prozess ein (vgl. ; ).

  12. Gebet für Verstorbene ist ebenfalls früh belegt

    Fürbitte für Verstorbene ist keine rein spätmittelalterliche Erscheinung. Damit ist noch nicht automatisch jedes spätere Detail der Fegefeuerlehre bewiesen. Es zeigt aber, dass die Praxis selbst deutlich älter ist.

    Der klarste biblische Bezug steht in , wo ausdrücklich für Verstorbene gebetet wird. Im Neuen Testament wird häufig diskutiert, weil Paulus für Onesiphorus bittet, der Herr möge ihm „an jenem Tag“ Barmherzigkeit schenken. wiederum beschreibt eine Prüfung nach dem Tod, bei der jemand Verlust erleidet und dennoch gerettet wird.

    Die katholische Praxis des Gebets für Verstorbene steht deshalb in Verbindung mit dem umfassenderen Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen und an eine endgültige Reinigung nach dem Tod (vgl. ; ).

    Quellen

Empfehlungen

Zum Weiterlesen

Deutschsprachige Bücher für alle, die den katholischen Glauben aus erster Hand kennenlernen möchten. Die Bezugsquellen führen zu Amazon und zu katholischen Buchhandlungen und Verlagen; es sind einfache Links ohne Provision.

  • Robert Dale Fazzio, Peter Christoph Düren

    Ist das auch katholisch?

    Eine Auseinandersetzung mit dem evangelikalen Werk von Wolfgang Bühne: Ich bin auch katholisch · Dominus-Verlag, Augsburg 2026 · ISBN 978-3-940879-91-2 · mit einem Geleitwort von Manfred Hauke

    Eine katholische Antwort auf genau das Buch, das diese Rezension bespricht. Die beiden Autoren gehen Bühnes Einwände Kapitel für Kapitel durch: Schrift und Tradition, Kirche, Sakramente, Papsttum, Marien- und Heiligenverehrung und das ewige Leben. Sie prüfen sie an Bibel, apostolischer Überlieferung und Lehramt und unterscheiden berechtigte Fragen, Missverständnisse und echte Unterschiede. Wer über die vierzehn hier geprüften Aussagen hinaus wissen möchte, wie sich Bühnes ganzes Buch aus katholischer Sicht beantworten lässt, findet dort die ausführliche Fassung.

  • Scott Hahn, Kimberly Hahn

    Unser Weg nach Rom

    Christiana-Verlag · ISBN 978-3-7171-1069-9 · Originaltitel: Rome Sweet Home (1993)

    Scott Hahn, presbyterianischer Pastor und Theologe, und seine Frau Kimberly erzählen, wie sie über Jahre hinweg beim Studium der Bibel zur katholischen Kirche fanden. Im Mittelpunkt stehen Fragen, die auch Bühnes Buch bestimmen: die Bibel als alleinige Autorität, die Rechtfertigung und die Eucharistie.

  • Scott Hahn

    Das Mahl des Lammes

    Die Messe als Himmel auf Erden · Be&Be-Verlag, Heiligenkreuz 2021, Neuauflage 2025 · ISBN 978-3-903602-27-4 · mit einem Vorwort von Bischof Stefan Oster

    Hahn erklärt die heilige Messe von der Bibel her, besonders von der Offenbarung des Johannes. Eine gute Ergänzung zur Frage nach dem Messopfer ().

  • Katechismus der Katholischen Kirche

    Libreria Editrice Vaticana · als Buch in mehreren Verlagen, etwa als Taschenbuch bei St. Benno, Leipzig 2020 (ISBN 978-3-7462-5800-3), und kostenlos im Internet · Kurzfassung: Kompendium (2005)

    Die maßgebliche Darstellung der katholischen Lehre, auf die sich diese Rezension stützt; auch Bühne zieht ihn seit der fünften Auflage heran. Wer es kürzer mag, greift zum Kompendium mit Fragen und Antworten.

  • Joseph Ratzinger

    Einführung in das Christentum

    Vorlesungen über das Apostolische Glaubensbekenntnis · Kösel, zuerst 1968, Neuausgabe 2000 · ISBN 978-3-466-20455-7

    Der spätere Papst Benedikt XVI. erklärt in diesem Klassiker das Apostolische Glaubensbekenntnis, das katholische und protestantische Christen gemeinsam sprechen.

  • John Henry Newman

    Apologia pro vita sua

    Geschichte meiner religiösen Überzeugungen · Media Maria, Illertissen 2010, 2. Auflage 2013 · ISBN 978-3-9811452-9-8

    Der anglikanische Theologe fand über das Studium der Kirchenväter 1845 zur katholischen Kirche. In seiner Lebensgeschichte zeigt er, warum die frühe Kirche für ihn den Ausschlag gab, das Thema des Anhangs.

  • Bibliothek der Kirchenväter

    klassische Übersetzungen des Kösel-Verlags, gemeinfrei · online bei der Universität Freiburg (Schweiz)

    Die klassischen deutschen Übersetzungen der Kirchenväter, frei zugänglich. Aus ihnen stammen die Quellentexte im Anhang; dort lassen sich die zitierten Schriften vollständig nachlesen.

Quellen und Hinweise

Besprochenes Buch
Wolfgang Bühne: Ich bin auch katholisch … Die Heilige Schrift und die Dogmen der Kirche. 6. Auflage 2010, Bielefeld: CLV (ISBN 978-3-89397-122-0). Seitenangaben nach dieser Auflage. Die Zitate dienen der Besprechung; Auslassungen sind mit […] gekennzeichnet.
Bibel
Die Vorschau zeigt die Elberfelder Bibel in der unrevidierten Fassung von 1905 (gemeinfrei). Die revidierte Elberfelder (2006) und die Einheitsübersetzung sind über die Links zu ERF Bibleserver nachzulesen. Wörtliche Bibelzitate im Rezensionstext folgen der Einheitsübersetzung von 2016, nur 2 Tim 3,16 und Hebr 10,10 der Elberfelder Bibel (wie in der Vorschau).
Deuterokanonische Bücher
2 Makk, Weish und Sir fehlen in der Elberfelder Bibel und werden nach der Einheitsübersetzung zitiert: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.
Katechismus
Katechismus der Katholischen Kirche, Deutsche Ausgabe (1997), Text nach vatican.va, © Libreria Editrice Vaticana. Gezeigt werden die Kernsätze der angegebenen Nummern; Auslassungen sind mit […] gekennzeichnet.
Kirchenväter
Bibliothek der Kirchenväter (BKV), 1. Reihe (Kempten/München 1912–1918), gemeinfrei; Text nach bkv.unifr.ch.
Konzil von Trient
Konzil von Trient, 6. Sitzung (13. Januar 1547): Dekret über die Rechtfertigung. Deutsch nach: Beschlüsse und Glaubensregeln des hochheiligen allgemeinen Concils zu Trient unter den Päpsten Paul III., Julius III. und Pius IV., Regensburg: Manz 1869 (gemeinfrei; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Nummern nach Denzinger-Schönmetzer (DS), sie stimmen mit Denzinger-Hünermann (DH) überein. Text und Rechtschreibung der Ausgabe von 1869, am Digitalisat geprüft.
Gemeinsame Erklärung
Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche, unterzeichnet am 31. Oktober 1999 in Augsburg. Deutscher Text nach der Veröffentlichung des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen (christianunity.va). Zitiert zum Zweck der Besprechung, Rechtschreibung des Originals, Fußnotenverweise entfernt.