Die Nachfolger des Petrus
Von Petrus bis Leo XIV.
Um 180 schrieb Irenäus von Lyon die Bischöfe Roms der Reihe nach auf, um zu zeigen, dass dort die Lehre der Apostel bewahrt ist. Seine Liste endet mit dem zwölften Namen. Heute zählt sie 267 Pontifikate – vom Fischer aus Bethsaida bis zu Leo XIV.
Um 180 · Irenäus von Lyon
Die älteste Liste
Gegen Lehrer, die sich auf geheime Überlieferungen beriefen, verweist Irenäus auf das Offenkundige: Jede Kirche kann die Bischöfe nennen, die von den Aposteln eingesetzt wurden, und deren Nachfolger. Für Rom schreibt er sie auf.
- Gründer
Petrus - 1
Linus - 2
Anaklet - 3
Clemens - 4
Evaristus - 5
Alexander - 6
Sixtus - 7
Telesphorus - 8
Hyginus - 9
Pius - 10
Anicetus - 11
Soter - 12
Eleutherus
„Nachdem also die seligen Apostel die Kirche gegründet und eingerichtet hatten, übertrugen sie dem Linus den Episkopat zur Verwaltung der Kirche. […] Auf ihn folgt Anacletus. Nach ihm erhält an dritter Stelle den Episkopat Klemens, der die Apostel noch sah und mit ihnen verkehrte. […] Auf genannten Klemens folgte Evaristus, auf Evaristus Alexander, als sechster von den Aposteln wurde Sixtus aufgestellt, nach diesem kam Telesphoros, der glorreiche Märtyrer, dann Hyginus, dann Pius, dann Anicetus. Nachdem dann auf Anicetus Soter gefolgt war, hat jetzt als zwölfter von den Aposteln Eleutherius den Episkopat inne. In dieser Ordnung und Reihenfolge ist die kirchliche apostolische Überlieferung auf uns gekommen.“
Einige Jahre zuvor war , ein Christ aus dem Osten, nach Rom gereist und hatte die Reihe bis Aniketus festgestellt. Den Grundsatz dahinter kannte schon der (um 96): Die Apostel setzten Bischöfe ein und ordneten an, dass nach ihrem Tod andere bewährte Männer ihren Dienst übernähmen.
Von Petrus bis heute
Die ganze Reihe
Jedes Medaillon ein Pontifikat, in der Reihenfolge der Liste des Heiligen Stuhls. Antippen zeigt Daten, Herkunft und die Seite des Papstes beim Heiligen Stuhl.
1. Jahrhundert5 Pontifikate
2. Jahrhundert10 Pontifikate
3. Jahrhundert14 Pontifikate
4. Jahrhundert10 Pontifikate
5. Jahrhundert12 Pontifikate
6. Jahrhundert13 Pontifikate
7. Jahrhundert20 Pontifikate
Sabinianus604–606
Bonifatius III.607
Bonifatius IV.608–615
Adeodatus I.615–618
Bonifatius V.619–625
Honorius I.625–638
Severinus638–640
Johannes IV.640–642
Theodor I.642–649
Martin I.649–655
Eugen I.654–657
Vitalian657–672
Adeodatus II.672–676
Donus676–678
Agatho678–681
Leo II.681–683
Benedikt II.684–685
Johannes V.685–686
Konon686–687
Sergius I.687–701
8. Jahrhundert12 Pontifikate
9. Jahrhundert21 Pontifikate
Stephan IV. (V.)816–817
Paschalis I.817–824
Eugen II.824–827
Valentin827
Gregor IV.827–844
Sergius II.844–847
Leo IV.847–855
Benedikt III.855–858
Nikolaus I. der Große858–867
Hadrian II.867–872
Johannes VIII.872–882
Marinus I.882–884
Hadrian III.884–885
Stephan V. (VI.)885–891
Formosus891–896
Bonifatius VI.896
Stephan VI. (VII.)896–897
Romanus897
Theodor II.897/898
Johannes IX.897/898–900
Benedikt IV.900–903
10. Jahrhundert22 Pontifikate
Leo V.903
Sergius III.904–911
Anastasius III.911–913
Lando913–914
Johannes X.914–928
Leo VI.928/929
Stephan VII. (VIII.)929–931
Johannes XI.931–936
Leo VII.936–939
Stephan VIII. (IX.)939–942
Marinus II.942–946
Agapitus II.946–955
Johannes XII.955–964
Leo VIII.963–965
Benedikt V.964/965
Johannes XIII.965–972
Benedikt VI.972–974
Benedikt VII.974–983
Johannes XIV.983–984
Johannes XV.985–996
Gregor V.996–999
Silvester II.999–1003
11. Jahrhundert21 Pontifikate
Johannes XVII.1003
Johannes XVIII.1003–1009
Sergius IV.1009–1012
Benedikt VIII.1012–1024- Johannes XIX.1024–1032
Benedikt IX.1032–1044- Silvester III.1045
Benedikt IX.1045
Gregor VI.1045–1046
Clemens II.1046–1047
Benedikt IX.1047–1048
Damasus II.1048
Leo IX.1049–1054
Viktor II.1055–1057- Stephan IX. (X.)1057–1058
Nikolaus II.1058–1061
Alexander II.1061–1073
Gregor VII.1073–1085
Viktor III.1086–1087
Urban II.1088–1099
Paschalis II.1099–1118
12. Jahrhundert16 Pontifikate
Gelasius II.1118–1119
Calixt II.1119–1124
Honorius II.1124–1130
Innozenz II.1130–1143
Coelestin II.1143–1144
Lucius II.1144–1145
Eugen III.1145–1153
Anastasius IV.1153–1154
Hadrian IV.1154–1159
Alexander III.1159–1181
Lucius III.1181–1185
Urban III.1185–1187
Gregor VIII.1187
Clemens III.1187–1191
Coelestin III.1191–1198
Innozenz III.1198–1216
13. Jahrhundert17 Pontifikate
Honorius III.1216–1227
Gregor IX.1227–1241
Coelestin IV.1241
Innozenz IV.1243–1254
Alexander IV.1254–1261
Urban IV.1261–1264
Clemens IV.1265–1268
Gregor X.1271–1276
Innozenz V.1276
Hadrian V.1276
Johannes XXI.1276–1277
Nikolaus III.1277–1280
Martin IV.1281–1285
Honorius IV.1285–1287
Nikolaus IV.1288–1292
Coelestin V.1294
Bonifatius VIII.1294–1303
14. Jahrhundert10 Pontifikate
15. Jahrhundert11 Pontifikate
16. Jahrhundert17 Pontifikate
Pius III.1503
Julius II.1503–1513
Leo X.1513–1521
Hadrian VI.1522–1523
Clemens VII.1523–1534
Paul III.1534–1549
Julius III.1550–1555
Marcellus II.1555
Paul IV.1555–1559
Pius IV.1559–1565
Pius V.1566–1572
Gregor XIII.1572–1585
Sixtus V.1585–1590
Urban VII.1590
Gregor XIV.1590–1591
Innozenz IX.1591
Clemens VIII.1592–1605
17. Jahrhundert12 Pontifikate
18. Jahrhundert8 Pontifikate
19. Jahrhundert5 Pontifikate
20. Jahrhundert8 Pontifikate
21. Jahrhundert3 Pontifikate
Bildnisse: Mosaikmedaillons aus St. Paul vor den Mauern (19. und frühes 20. Jahrhundert), bei den frühen Päpsten Idealbilder, keine Porträts; gemeinfrei, über Wikimedia Commons. Wo der lateinische Name steht, gibt es kein freies Bild – so bei den Päpsten seit Johannes XXIII., deren Medaillons noch urheberrechtlich geschützt sind. Herkunft und Daten: Heiliger Stuhl (abgerufen am 4.10.2026).
Die Reihe in Zahlen
267
Pontifikate von Petrus bis Leo XIV., 265 Personen
31 Jahre
regierte Pius IX. (1846–1878), so lange wie keiner nach Petrus
12 Tage
nach der Wahl starb Urban VII. (1590)
1.006 Tage
ohne Papst, 1268–1271; danach kam das Konklave
Namen und Herkunft
Wer sie waren
Gezählt sind 265 Personen; Benedikt IX. nur einmal. Ein Balken antippen zeigt die Päpste in der Reihe.
44 Namen kommen nur einmal vor, zuletzt Franziskus. Johannes Paul ist getrennt gezählt.
Nach der Herkunftsangabe der Liste des Heiligen Stuhls (bei zwei Päpsten unbekannt). Frankreich und Italien im heutigen Gebiet.
Die alten Listen
Dieselben Namen, nicht immer dieselbe Folge
Bis ins 6. Jahrhundert schrieben Christen in Gallien, Rom und Afrika die Reihe auf. Die Namen sind von Anfang an dieselben. Abweichungen gibt es in der Reihenfolge – ein Zeichen, dass die Listen unabhängig voneinander weitergegeben wurden.
Einen Namen antippen: Die Linie zeigt ihn in allen Listen.
Irenäus zählt ab den Aposteln: Petrus und Paulus gründen die Kirche, Linus ist der Erste. Die späteren Listen beginnen mit Petrus. Cletus und Anaklet sind zwei Formen desselben Namens (griechisch Anenklētos, „der Untadelige“); der und der Liber Pontificalis machen daraus zwei Bischöfe.
In Afrika steht Alexander nach Soter. So überliefern es um 367 und um 400; ältere Ausgaben haben die Reihenfolge stillschweigend nach Irenäus „berichtigt“. Beide schreiben gegen die Donatisten und berufen sich auf die Reihe: „Auf diesem einzigen Stuhl saß als Erster Petrus.“
Der Liber Pontificalis aus dem 6. Jahrhundert gibt zu jedem Papst eine kurze Lebensbeschreibung, für die ersten Jahrhunderte oft legendarisch. Auf ihn gehen viele Herkunftsangaben der heutigen Liste zurück.
3. Jahrhundert
Namen in Stein
1854 entdeckte der Archäologe Giovanni Battista de Rossi in der Calixtus-Katakombe an der Via Appia eine Gruft, die er „den kleinen Vatikan“ nannte. Neun Bischöfe von Rom aus dem 3. Jahrhundert wurden hier begraben. Von fünf sind die Grabplatten erhalten: Pontianus, Anterus, Fabianus, Lucius und Eutychianus. Die Namen sind griechisch geschrieben, wie es damals in der römischen Kirche üblich war, viermal mit dem Titel „Bischof“, zweimal mit dem Zeichen für „Märtyrer“.
Aus derselben Zeit stammt das erste genaue Datum der Papstgeschichte: Am 28. September 235 legte Pontianus in der Verbannung auf Sardinien sein Amt nieder (). Um 251 nennt den römischen Bischofssitz den „Platz des Petrus“, und Bischof schreibt, in einer katholischen Kirche müsse ein Bischof sein. Ein Gegner, , wirft Stephan I. vor, er berufe sich auf die Nachfolge des Petrus.
Nach der Seite der Calixtus-Katakombe.
1378–1417
Drei Päpste zugleich
Die Reihe hatte Brüche. Nach der Wahl Urbans VI. wählte 1378 ein Teil der Kardinäle einen zweiten Papst, der nach Avignon ging; das Konzil von Pisa fügte 1409 einen dritten hinzu. Erst das Konzil von Konstanz führte die Kirche wieder unter einen Papst.
Solche Lagen gab es auch früher. Das Päpstliche Jahrbuch führt die Päpste deshalb ohne amtliche Nummern: An manchen Stellen, so bei Leo VIII. und Benedikt V. (963–965), lasse sich nicht klar entscheiden, welche Seite die Rechtmäßigkeit besaß. Auch die Namenszählung hat Lücken:
- Johannes XX. gibt es nicht. Ein Zählfehler im Mittelalter übersprang die Zahl; Petrus Hispanus nannte sich 1276 deshalb Johannes XXI. Johannes XVI. (997–998) war Gegenpapst.
- Stephan II. (III.) Ein 752 gewählter Priester Stephan starb nach drei Tagen, vor der Weihe. Ältere Listen zählten ihn mit, das Päpstliche Jahrbuch heute nicht mehr. Daher tragen die folgenden Stephane zwei Zahlen.
- Martin IV. Einen Martin II. und III. gab es nie: Im Mittelalter wurden die Päpste Marinus I. und II. als „Martinus“ gelesen.
- Felix III., Benedikt XI., Alexander VI. Felix II., Benedikt X. und Alexander V. gelten heute als Gegenpäpste; ihre Zahlen blieben in der Zählung stehen.
- Benedikt IX. war dreimal Papst (1032–1044, 1045, 1047–1048) und steht deshalb dreimal in der Liste: 267 Pontifikate, 265 Personen.
- Johannes XXIII. trugen zwei: der Pisaner Gegenpapst (1410–1415) und Angelo Roncalli (1958–1963). Er sagte, 22 Päpste hätten bisher Johannes geheißen – gemeint war die Zahl; rechtmäßige Päpste dieses Namens waren es 20.
Glaube
Was die Reihe zeigt
Jesus sagt zu Petrus: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (). Die Kirche versteht das Amt, das Petrus empfing, als bleibend: Die Bischöfe sind Nachfolger der Apostel, der Bischof von Rom ist Nachfolger des Petrus ().
Das Erste Vatikanische Konzil sagt: Was Christus im Apostel Petrus eingesetzt hat, „muss … ununterbrochen fortdauern“ (). Es beruft sich dafür auf Irenäus und seine Liste.
Die Reihe ist kein Beweis für Heiligkeit. Unter den 265 Männern sind Märtyrer und Kirchenlehrer, aber auch Päpste, deren Leben ein Ärgernis war. Augustinus hat das schon um 400 gesehen: Selbst wenn sich ein Verräter in die Reihe eingeschlichen hätte, schadete das der Kirche nicht; über die Schriftgelehrten seiner Zeit sagt Jesus: „Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach ihren Taten“ ().
Quellen
- Liste der Päpste: Heiliger Stuhl, Päpste (nach dem Päpstlichen Jahrbuch), mit Seiten zu jedem Papst. Wo die Liste keine Herkunft nennt, ergänzt nach Liber Pontificalis und der italienischen Fassung.
- Irenäus, Gegen die Häresien III 3 (Bibliothek der Kirchenväter, 1912) · Eusebius, Kirchengeschichte IV 22, V 6, V 24, VI 43 (griechisch) · Cyprian, Briefe 55, 75, 80 (CSEL 3/2) · Optatus, Gegen Parmenian II (CSEL 26) · Augustinus, Brief 53 (CSEL 34/2) · Chronograph von 354 (Mommsen) · Liber Pontificalis (Loomis 1916).
- Erstes Vatikanisches Konzil, Pastor aeternus (1870), Kap. 2 · Katechismus der Katholischen Kirche 77, 861–862, 880–882.
- Papstgruft: Calixtus-Katakombe · Medaillonfries: Vatican News, 25. Januar 2026.
- Übersetzungen ohne Angabe von tuespetrus.de. Jede Vorschau nennt Ausgabe und Fundstelle.












































































































