Rezension Roger Liebi

Rezension Roger Liebi

Roger Liebi · Bücher, Skripte und Vorträge über die katholische Kirche · CLV und rogerliebi.ch · 1999–2025

Liebi sieht in der katholischen Kirche die „Hure Babylon“ aus Offenbarung 17 und in ihrer Messe Götzendienst. Hier stehen 16 seiner Aussagen aus 13 Büchern, Skripten und Vorträgen, jede mit der Antwort aus der Bibel, dem Katechismus und den Zeugnissen der frühen Kirche. Am Ende Bücher zum Weiterlesen.

Antippen zeigt die Quelle:

Einführung

Worum es geht

Roger Liebi (Jahrgang 1958) stammt aus Zürich, hat Violine und Klavier studiert und lehrt seit den Achtzigerjahren die Bibel, vor allem in den Gemeinden der Brüderbewegung. Er liest die Bibel in Hebräisch, Aramäisch und Griechisch, kennt die Archäologie Israels und wurde mit einer Arbeit über den Zweiten Tempel in Jerusalem promoviert. Seine rund dreißig Bücher erscheinen zum großen Teil bei der Christlichen Literatur-Verbreitung (CLV) in Bielefeld, dem Verlag von Wolfgang Bühnes „Ich bin auch katholisch“, und stehen dort kostenlos zum Herunterladen bereit. Auf seiner Website rogerliebi.ch liegen Hunderte Skripte und Abschriften seiner Vorträge, sein YouTube-Kanal hat über 80 000 Abonnenten. Im freikirchlichen Raum gehört er zu den meistgehörten Bibellehrern.

Über die katholische Kirche schreibt Liebi in seinen Büchern selten und meist ruhig: über den Umfang der Bibel, über Petrus und den Felsen, über Maria und das Abendmahl. Deutlicher wird er in Skripten und Bibelklassen. Dort ist die katholische Kirche die „Hure Babylon“ aus Offenbarung 17, ihre Messe „Götzendienst hundert Prozent“ (), die zur Rechtfertigungslehre von 1999 „eine totale Täuschung“ (). Diese Urteile bleiben über drei Jahrzehnte erstaunlich gleich.

Wie diese Rezension prüft

Die Rezension nimmt sich sechzehn Aussagen vor, aus drei Büchern, zwei Skripten, sechs Vortragsabschriften und einem Interview, von 1999 bis 2025. Sie stehen in sechs Teilen: die Bibel und ihr Umfang, Petrus und das Amt, Maria und die Heiligen, die Messe, Heil und Hoffnung, Babylon und die Geschichte. Über jeder Aussage steht Liebis Satz im Wortlaut und darunter in einem Satz die Antwort. Wer auf die Nummer tippt, sieht die vollständigen Zitate mit Buch und Seite oder dem Link zur Abschrift auf seiner Website. Die Abschriften stellt Liebi selbst online; zu den Bibelklassen über die Offenbarung von 2016 gibt es auch Videos, die im Quellenverzeichnis stehen.

Die Bibelstellen erscheinen in der Vorschau nach der Elberfelder Bibel von 1905. Auf die Frage nach seiner Bibel hat Liebi geantwortet: „Nach wie vor die alte Elberfelder“ (Fragebogen, 2004). Die Antworten stützen sich außerdem auf den Katechismus der Katholischen Kirche, auf die Konzilien und auf die Christen der ersten Jahrhunderte.

Liebi ist ein ernsthafter Gesprächspartner. Er arbeitet mit Quellen, er lobt die frühe Kirche, die gefälschte Schriften „mit ganzer Entschiedenheit“ abwies (), und er hält den Antichristen nicht für den Papst, sondern für einen künftigen falschen Messias, der sich als „der im Alten Testament verheißene jüdische Messias und Erlöser“ ausgeben wird (). Von katholischen Christen sagt er: „Also man kann sich drin richtig bekehren und ein Kind Gottes werden. Aber es geht um das System.“ () Er erkennt sogar an, dass die Kirche das „Recht auf Leben von der Zeugung an“ verteidigt (). Gerade weil er so viel weiß, fällt eines auf: In keinem der hier besprochenen Texte führt er den Katechismus, ein Konzilsdekret oder ein päpstliches Schreiben im Wortlaut an. Was die Kirche über sich selbst sagt, beschreibt er nur von außen. Diese Rezension stellt es daneben.

Die Aussagen im Überblick

Teil I · Die Bibel und ihr Umfang

Liebis Buch „Die Bibel – absolut glaubwürdig!“ ist das einzige, in dem er einem katholischen Thema ein eigenes Kapitel widmet: den Büchern, die in katholischen Bibeln stehen und in den meisten evangelischen fehlen. Daraus folgen die ersten beiden Aussagen; die dritte fragt, wer über die Bibel urteilt.

Trient habe die Apokryphen „etwa 2000 Jahre zu spät“ zur Bibel erklärt

Liebi schreibt„Die Kirche von Rom kam damit etwa 2000 Jahre zu spät.“ ()

Die Quellen zeigenDie Synode von Hippo zählte schon 393 Tobit, Judit, die Weisheit, Sirach und zwei Makkabäerbücher zur Schrift, Augustinus ebenso (); Trient bestätigte 1546, was die Kirche seit über tausend Jahren las (; ).

Liebis Argument ist klar gebaut. In Israel galten nur Bücher beglaubigter Propheten, nach Maleachi um 400 vor Christus kam kein Prophet mehr, und Jesus erkannte den Kanon so an, wie ihn das Judentum bis heute liest. Darum sei das, „was auf dem Konzil von Trient (1545 – 1563) geschah, völlig abwegig“ gewesen (). Über die strittigen Bücher urteilt er, sie enthielten „zahlreiche historische, ethische und lehrmäßige Fehler“ ().

Die Geschichte verlief anders, als das Wort „zu spät“ vermuten lässt. Die ersten Christen lasen das Alte Testament meist griechisch, in der Septuaginta, und dort standen diese Bücher. Als die Kirche in Nordafrika die Liste der heiligen Bücher festhielt, nannte die Synode von Hippo 393 ausdrücklich Tobit, Judit, Ester, „zwei Makkabäerbücher“ und fünf Bücher Salomos, darunter die Weisheit und Sirach; die Synode von Karthago bestätigte sie 397. Augustinus zählt im selben Jahrzehnt „die zwei Bücher der Makkabäer“ zum „ganzen Kanon der heiligen Schriften“ (). Das Konzil von Florenz bestätigte diese Liste 1442, das Konzil von Trient 1546 noch einmal. Es kam also nicht zweitausend Jahre zu spät, sondern hielt fest, was die lateinische Kirche seit dem 4. Jahrhundert las.

Ganz ohne Grund ist Liebis Einwand nicht. In der frühen Kirche gab es über diese Bücher keine einhellige Meinung. Athanasius von Alexandrien zählt sie 367 nicht zum Kanon, sondern zu den Büchern, die „von den Vätern für diejenigen zum Lesen vorgeschrieben sind, welche erst eintreten“ (), und auch Hieronymus zögerte. Luther hat sie in seine Bibel aufgenommen, als Bücher, die „nützlich und gut zu lesen“ seien. Wer davon spricht, müsste aber die ganze Geschichte erzählen.

Bei den „Fehlern“ widerspricht Liebi sich selbst. In „Der Messias im Tempel“ nennt er das erste Makkabäerbuch „geschichtlich eine sehr zuverlässige Fundgrube“ (). Jesus feierte das Fest, von dessen Ursprung nur die Makkabäerbücher erzählen: „Es war aber das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; und es war Winter“ (; ). Der Hebräerbrief erinnert an die Märtyrer aus : „andere aber wurden gefoltert, da sie die Befreiung nicht annahmen, auf daß sie eine bessere Auferstehung erlangten“ (; vgl. ). Dass das Neue Testament ein Buch nicht ausdrücklich zitiert, entscheidet ohnehin nichts: Ester, Kohelet und das Hohelied zitiert es auch nicht, den Henoch aber schon ().

Die Kirche zählt heute 46 Bücher des Alten und 27 des Neuen Testaments (). Nach ihrer Lehre hat sie diese Liste nicht erfunden; „die apostolische Überlieferung ließ die Kirche unterscheiden“, welche Schriften dazugehören ().

Quellen

Frühe Kirche

Kein Konzil habe je über den Kanon entschieden

Liebi schreibt„Der Kanon wurde nie von einem Konzil oder sonst einem autoritären Gremium beschlossen.“ ()

Die Kirche lehrtAuch nach katholischer Lehre hat kein Konzil die Bibel gemacht; die Kirche hat ihren Umfang erkannt: „Durch dieselbe Überlieferung wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt“ (; ).

Liebi wendet sich gegen „die Behauptung, dass die frühchristlichen Konzilien beschlossen hätten, welche Bücher zum NT gehören“ (). Der Kanon habe „lediglich von den Christen »erkannt«“ werden müssen (). Mit diesem Satz beschreibt er, ohne es zu sagen, die katholische Sicht. Auch das Zweite Vatikanische Konzil sagt nicht, ein Konzil habe den Kanon beschlossen, sondern er werde der Kirche durch die Überlieferung „bekannt“ ().

Die Frage ist nur, wer erkannt hat und wie. Die 27 Bücher des Neuen Testaments standen nicht fest, weil jeder Christ für sich zum selben Ergebnis kam, sondern weil die Kirchen über Generationen prüften, was sie im Gottesdienst lasen. Augustinus nennt dafür ausdrücklich einen Maßstab: Man folge „dem Ansehen der großen Mehrzahl der katholischen Kirchen“, unter ihnen besonders denen, „die gewürdigt wurden, Sitze von Aposteln zu sein“ (). Liebi selbst schreibt, „die Alte Kirche“ habe „nach Klärung aller Schwierigkeiten“ die Bücher der Schrift „zugerechnet“ (), und er lobt sie für ihre „Gewissenhaftigkeit“ (). Beim Alten Testament traut er die Entscheidung einer Gemeinschaft zu: Das Judentum habe die Aufgabe gehabt, „zu erkennen, welche Bücher zum AT gehören und welche nicht“ (). Warum soll dieselbe Aufgabe der Kirche nicht zukommen?

Dass eine Versammlung über eine Glaubensfrage verbindlich entscheidet, kennt schon das Neue Testament. Die Apostel und Ältesten in Jerusalem schreiben: „Denn es hat dem Heiligen Geiste und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen“ (). Paulus nennt die Gemeinde „der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ (). Liebi sagt zu dieser Stelle, die Gemeinde sei „nicht die Quelle der Wahrheit“, eine ihrer vornehmsten Aufgaben aber sei es gewesen, „die apostolische Wahrheit des Evangeliums in dieser Welt aufrecht zu erhalten“ (). Ein katholischer Theologe könnte das unterschreiben ().

Eine Kleinigkeit noch: Die Synode von Hippo, die Liebi als bloß „regionales Konzil“ abtut, tagte nicht 397, wie er schreibt (), sondern 393. 397 tagte die Synode von Karthago, die ihre Liste wiederholte. Regional waren beide. Aber dieselbe Liste galt bald in der ganzen lateinischen Kirche, und die Bücher, die Liebi „Apokryphen“ nennt, gehören dazu.

Quellen

Frühe Kirche

Die Kirche habe die Tradition über die Bibel gestellt

Liebi sagt„… ihre Entwicklung war weg vom Bibelwort hin zur Tradition der Menschen, indem eben die Tradition und auch die Beschlüsse von Konzilien, von Kardinalen und Päpsten zur eigentlichen Autorität erhoben wurden.“ ()

Die Kirche lehrt„Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm“ (); die Überlieferung, auf die sich die Kirche beruft, ist die der Apostel, die Paulus festzuhalten befiehlt (; ).

So antwortet Liebi im April 2025 auf die Frage, warum die Christenheit in so viele Gruppen zerfallen sei. Er fügt hinzu: „Darum wurde ja auch über Jahrhunderte hinweg dem Volk verboten, die Bibel zu lesen, und schon gar nicht in der Landessprache.“ () Mit diesem Vorwurf hat sich schon die Rezension zu Ebertshäuser beschäftigt: Vor Luthers Neuem Testament erschienen achtzehn gedruckte deutsche Bibeln (Bibelverbot).

Liebi beruft sich auf Jesus selbst, der „für das in viel später Zeit von den Reformatoren wiederentdeckte Prinzip »Allein die Schrift!«“ gekämpft habe (). Jesus tadelt tatsächlich eine Überlieferung: „Denn das Gebot Gottes aufgebend, haltet ihr die Überlieferung der Menschen“ (). Gemeint sind Satzungen, die Gottes Gebot aufheben, wie das Gelübde, das den Eltern die Versorgung entzieht (). Dasselbe Neue Testament kennt aber eine Überlieferung, die man festhalten soll: „Also nun, Brüder, stehet fest und haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief“ (). Paulus lobt die Korinther, dass sie „die Überlieferungen, wie ich sie euch überliefert habe, festhaltet“ (), und er gibt Timotheus auf: „was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Leuten an“ (). Der Gegensatz verläuft nicht zwischen Schrift und Überlieferung, sondern zwischen menschlichen Satzungen und dem, was die Apostel weitergegeben haben.

Genau so beschreibt die Kirche ihre Überlieferung. Sie gibt das Wort Gottes, „das von Christus, dem Herrn, und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter“ (; ). Schrift und Überlieferung bilden „die eine der Kirche anvertraute heilige Hinterlassenschaft des Wortes Gottes“ (). Über beiden steht kein Konzil und kein Papst: „Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist“ (). Ein Papst, der etwas Neues erfände, hätte nach dieser Lehre keine Autorität dafür.

Liebi verlässt sich übrigens selbst auf die Überlieferung, wo er sie braucht. Welche 27 Bücher zum Neuen Testament gehören, steht in keinem dieser Bücher; er übernimmt es von der „Alten Kirche“, die sie „zugerechnet“ hat (). Und er lädt seine Hörer ein, wie die Christen in Beröa zu prüfen, ob das Gehörte stimmt (). Diese Einladung gilt auch für das, was er über die katholische Lehre sagt.

Teil II · Petrus und das Amt

Ob Christus seine Kirche auf Petrus gebaut hat, ob die Bischöfe von Rom seine Nachfolger sind und ob es in der Kirche ein besonderes Amt gibt: An diesen drei Fragen hängt viel von dem, was Liebi „das System“ nennt.

Petrus könne „unmöglich“ der Fels sein

Liebi schreibt„Konnte Petrus mit diesem »Felsen« gemeint sein? Unmöglich!“ ()

Die Schrift sagtJesus gibt Simon den Namen Kephas, aramäisch „Fels“ (), und die Apostel sind Grundlage der Kirche, deren Eckstein Christus ist (; ); der Katechismus nennt Petrus „den unerschütterlichen Fels der Kirche“ auf dem Grund seines Glaubens (; ).

Liebi begründet sein „Unmöglich“ mit dem Griechischen: Jesus sage nicht „auf diesen petros“, sondern „auf diese petra“; außerdem dürfe die Bezeichnung „Fels“ „nur auf Gott bezogen werden“, und Petrus damit zu identifizieren „wäre sogar verhängnisvoll“ (). Petrus könne „nicht der Ur-Grund der Kirche sein. Diese Ehre gehört allein Christus“ ().

Dem letzten Satz widerspricht die katholische Lehre nicht. Den Grund der Kirche bildet Christus: „Denn einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (). Der Katechismus sagt sogar, Christus habe seine Kirche „auf den Felsen dieses Glaubens, den der hl. Petrus bekannte“, gebaut (). Liebi stellt als Gegensatz dar, was die Kirche zusammenhält: den Glauben, den Petrus bekennt, und den Mann, der ihn bekennt ().

Beim Griechischen räumt Liebi das Entscheidende selbst ein. Das aramäische Wort hinter „Kephas“ bedeute „Stein, Edelstein, Fels, Seeufer“ (). Jesus sprach aramäisch, und im Aramäischen heißt es beide Male „Kepha“: Du bist Kepha, und auf diesen Kepha werde ich meine Kirche bauen. Griechisch musste der Name eines Mannes männlich sein, daher petros; das Wortspiel bleibt. Paulus nennt Petrus fast immer bei seinem aramäischen Namen Kephas (). Mehr dazu auf der Seite Name, Fels, Schlüssel.

Dass „Fels“ allein Gott zustehe, sagt die Schrift so nicht. Jesaja nennt Abraham den Felsen Israels: „Blicket hin auf den Felsen, aus dem ihr gehauen … Blicket hin auf Abraham, euren Vater“ (). Die Gemeinde ist „aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, indem Jesus Christus selbst Eckstein ist“ (), und auf den Grundsteinen des himmlischen Jerusalem stehen „zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ (). Wer Menschen als Grundlage bezeichnet, schreibt ihnen keine göttlichen Eigenschaften zu, solange sie es durch Christus sind.

Liebi erinnert daran, dass Petrus „bitterlich versagen“ konnte (). Jesus wusste das und sagte ihm gerade deshalb: „Ich aber habe für dich gebetet, auf daß dein Glaube nicht aufhöre; und du, bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder“ (). Nach der Auferstehung gibt er ihm dreimal den Auftrag „Weide meine Schafe“ (). Die Festigkeit des Felsens kommt aus dem Gebet Christi, nicht aus der Kraft des Petrus ().

Frühe Kirche

Das Papsttum sei um 440 mit Leo I. entstanden

Liebi sagt„… 440 n. Chr., hat der Bischof von Rom, Leo I., gesagt: ‚Ich bin der höchste Bischof über alle Bischöfe der Welt.‘ Und damit war das Papsttum geboren.“ ()

Die Quellen zeigenLange vor Leo nennt Ignatius um 110 die römische Kirche die, „die auch den Vorsitz führt“ (), und für Irenäus muss um 180 „jede Kirche“ mit ihr „übereinstimmen“ ().

So erzählt Liebi die Geburt des Papsttums in seiner Bibelklasse von 2016. Im Skript zu den Sendschreiben von 2007 steht dasselbe mit einem anderen Jahr: „um 430 n. Chr.: erhebt sich als Pabst über alle Bischöfe der Welt“ (). Bischof von Rom wurde im Jahr 440. Eine Fundstelle für den Satz, den Liebi ihm in den Mund legt, nennt er in keinem der Texte.

Die Quellen der ersten Jahrhunderte zeigen, dass die Kirche von Rom lange vor Leo eine besondere Stellung hatte. Um 96 greift sie in einen Streit in Korinth ein und schreibt: „Wer aber ungehorsam ist gegen das, was er durch uns gesagt hat, der soll wissen, dass er sich in Sünde und nicht geringe Gefahr verstrickt“ (). Ignatius von Antiochien grüßt um 110 die Kirche, „die auch den Vorsitz führt am Orte des römischen Bezirkes“ (). Irenäus zählt um 180 die Bischöfe Roms von an auf () und schreibt: „Mit der römischen Kirche nämlich muß wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen“ (). Um 251 sagt Cyprian von Karthago: „der Vorrang wird dem Petrus gegeben“ (). Die ganze Reihe bis heute steht auf der Seite Papstliste.

Richtig ist, dass sich die Gestalt des Papsttums entwickelt hat. hat das Amt des Nachfolgers Petri so klar beschrieben wie kaum einer vor ihm, und das Konzil von Chalcedon nahm 451 seinen Lehrbrief über die zwei Naturen Christi in sein Bekenntnis auf. Aber eine Entwicklung ist keine Erfindung. Was um 96 als Mahnung nach Korinth ging und um 180 als „Vorrang“ beschrieben wurde, hat Leo nicht geschaffen, sondern vorgefunden. Die Kirche nennt den Papst heute „das immerwährende und sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit“ (), nicht einen Herrn über den Glauben.

Quellen

Frühe Kirche

Laien und Priester zu unterscheiden widerspreche dem Neuen Testament

Liebi schreibt„Die Unterscheidung von Laien und Priestern läuft dem NT völlig zuwider.“ ()

Die Kirche lehrtDie Kirche lehrt das gemeinsame Priestertum aller Getauften (; ; ) und daneben das Amt, das die Apostel einsetzten und durch Handauflegung weitergaben (; ; ).

Liebi leitet aus das „allgemeine Priestertum“ ab, die Wahrheit, dass jeder Erlöste „ein Priester ist (ohne menschliche Weihung und Einsetzung)“ (). Die Reformatoren hätten sie neu entdeckt, „nachdem sie jahrhundertelang verschüttet war“, und sie stehe „in diametralem Gegensatz zur Einsetzung einer in menschlicher Vermessenheit eingesetzten »geistlichen« Elite“ ().

Das gemeinsame Priestertum ist katholische Lehre. „Durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist werden die Getauften zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht“, sagt das Konzil und verweist auf (). Der Katechismus nennt „die ganze Gemeinschaft der Gläubigen“ priesterlich (). Petrus schreibt: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum“ (). Darüber gibt es keinen Streit.

Strittig ist allein, ob es daneben ein Amt gibt, das nicht jeder hat. Das Neue Testament kennt es. Paulus lässt Titus in Kreta, damit er „in jeder Stadt Älteste anstellen möchtest, wie ich dir geboten hatte“ (); Timotheus hat eine Gnadengabe empfangen „mit Händeauflegen der Ältestenschaft“ (); Kranke sollen „die Ältesten der Versammlung“ rufen (). Paulus beschreibt seinen eigenen Dienst als „priesterlich dienend an dem Evangelium Gottes“ (). Und er fragt: „Sind etwa alle Apostel? Alle Propheten? Alle Lehrer?“ ().

Wie früh die Kirche beides unterschied, zeigt der Brief der römischen Gemeinde an die Korinther um 96, eine Generation nach den Aposteln. erinnert an die Ordnung des Gottesdienstes im Alten Bund und schreibt: „der Laie ist an die Laienvorschriften gebunden“ (). Es ist das erste Mal, dass ein christlicher Text das Wort „Laie“ gebraucht. Im selben Brief berichtet er, die Apostel hätten „Bischöfe und Diakonen“ eingesetzt und angeordnet, dass nach ihrem Tod „andere erprobte Männer ihren Dienst übernähmen“ (). Diese Ordnung stammt nicht aus menschlicher Vermessenheit; die Apostel selbst haben sie hinterlassen.

Das Amt steht nach katholischer Lehre im Dienst der Getauften, nicht über ihnen. Beide nehmen „auf je besondere Weise am einen Priestertum Christi teil“, und das Amtspriestertum „steht im Dienst dieses gemeinsamen Priestertums“ ().

Quellen

Frühe Kirche

Teil III · Maria und die Heiligen

Für Liebi ist die Verehrung Marias und der Heiligen das deutlichste Zeichen dafür, dass die Kirche von der Schrift abgewichen sei. In seinem Buch über Jerusalem spricht er von dem Götzendienst, „wie er sich in einer degenerierten Christenheit z. B. durch Marien- und Heiligenverehrung breitgemacht hat“ (). Zwei Fragen sind zu unterscheiden: was die Kirche über Maria glaubt und was sie tut, wenn sie Maria und die Heiligen anruft.

Maria sei „eine Sünderin wie alle anderen Menschen“ gewesen

Liebi schreibt„Maria war eine Sünderin wie alle anderen Menschen (Röm 3,23).“ ()

Die Kirche lehrtAuch nach katholischer Lehre brauchte Maria einen Erlöser und preist „Gott, meinem Heilande“ (); sie wurde „im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf erhabenere Weise erlöst“ (; ).

Liebi folgert das aus dem Opfer, das Maria nach der Geburt Jesu im Tempel darbrachte (). Nach dem Gesetz sei „nicht das Kind, sondern lediglich die Mutter unrein“ gewesen, und diese rituellen Vorschriften lenkten den Blick „auf tiefere geistliche Lektionen“ (). Die Unreinheit nach einer Geburt ist im Gesetz aber keine Schuld. Das Opfer bringt die Mutter, „und sie wird rein sein von dem Flusse ihres Blutes“ (). Wer daraus auf eine persönliche Sünde Marias schließt, müsste jede Mutter in Israel für eine Sünderin wegen der Geburt halten. Auch Jesus selbst wurde beschnitten und im Tempel dargestellt (), und er ließ sich von Johannes taufen, „denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (). Ein Ritus des Gesetzes beweist keine Sünde.

sagt: „alle haben gesündigt“. Liebi nimmt davon selbst eine Ausnahme: „Das Kind Jesus allein war sündlos“ (). Die Frage ist also nicht, ob der Vers Ausnahmen zulässt, sondern ob Gott eine weitere gemacht hat. Die katholische Kirche glaubt das, aber nicht so, dass Maria keinen Erlöser gebraucht hätte. Ihr Lobgesang „mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heilande“ (), auf den sich Liebi beruft, ist auch für die Kirche ein Beleg: Maria wurde von Christus erlöst, nur früher und vollkommener als alle anderen, „im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu“ (). Der Engel grüßt sie mit einem Wort, das ein schon geschehenes Begnadetsein ausdrückt: „Sei gegrüßt, Begnadigte!“ ().

Nebenbei nennt Liebi Jakobus „ein Sohn von Maria und Joseph (Mat 13,55) und damit ein Halbbruder Jesu“ (). Matthäus nennt dort „seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas“ (). Unter dem Kreuz steht aber „Maria, Jakobus' des Kleinen und Joses' Mutter“ (), eine andere Maria als die Mutter Jesu, die Johannes neben ihr nennt (). „Brüder“ meint in der Bibel oft nahe Verwandte, wie bei Abraham und seinem Neffen Lot (; ).

Frühe Kirche

Maria und die Heiligen anzurufen sei Götzendienst

Liebi sagt„… dass man eben Menschen anruft im Gebet, Maria und auch die sogenannten Heiligen. Das ist reinste Hurerei, Götzendienst.“ ()

Die Schrift sagtWer andere um ihr Gebet bittet, betet sie nicht an: „das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel“ (), und vor Gott „leben alle“ (); Anbetung gebührt allein Gott, Maria und die Heiligen werden verehrt und um Fürbitte gebeten (; ).

Liebis Begründung ist einfach. Maria könne man überall anrufen, in Québec, in Australien und in Rom: „Ja, aber Menschen können das nicht. Also das sollten ja Wesen sein, die alle Menschen, wo sie auch immer sind, hören. Das kann nur Gott, also ist das eine Vergötterung.“ ()

Den Schluss teilt die Kirche nicht, weil sie die Voraussetzung nicht teilt. Sie lehrt nicht, dass Maria allgegenwärtig wäre. Sie lehrt, dass die Heiligen bei Gott leben und für die Lebenden beten, und dass Gott ihnen gibt, was sie dazu wissen müssen. Die Offenbarung zeigt genau das: Die Ältesten vor dem Thron tragen „goldene Schalen voll Räucherwerk, welches die Gebete der Heiligen sind“ (), also die Gebete der Christen auf der Erde. Die Märtyrer unter dem Altar wissen, was auf der Erde geschieht, und rufen zu Gott (). Die Toten sind nicht fern: „Er ist aber nicht Gott der Toten, sondern der Lebendigen; denn für ihn leben alle“ (), und Christen haben „eine so große Wolke von Zeugen um uns“ ().

Anbetung gebührt allein Gott, auch nach katholischer Lehre. Die Ehre, die Christen den Heiligen und ihren Bildern erweisen, ist „eine ‚ehrfürchtige Verehrung‘, keine Anbetung; diese steht allein Gott zu“ (). Die Verehrung Marias „unterscheidet sich aber wesentlich vom Kult der Anbetung“ (). Wenn die Kirche Maria als Fürsprecherin anruft, dann so, dass es „der Würde und Wirksamkeit Christi, des einzigen Mittlers, nichts abträgt und nichts hinzufügt“ (). Die Bibel verbietet, „die Toten“ zu befragen (), und der Katechismus verwirft Totenbeschwörung ebenso (); um Fürbitte zu bitten heißt aber nicht, die Toten zu befragen.

Die ersten Christen haben das früh getan. Um 156 schreibt die Gemeinde von Smyrna über ihren Bischof Polykarp: „Christus beten wir an, weil er der Sohn Gottes ist. Die Blutzeugen aber lieben wir“ (). An der Via Appia in Rom ritzen Besucher um 260 Bitten an Petrus und Paulus in die Wand. Um 350 erklärt Cyrill von Jerusalem den Neugetauften, in der Eucharistie gedenke man der Patriarchen, Propheten, Apostel und Märtyrer, „damit Gott durch deren Gebete und Fürbitten unser Flehen erhöre“ (). Auch das älteste bekannte Mariengebet, „Unter deine Barmherzigkeit fliehen wir, Gottesgebärerin“ (), stammt wohl aus dieser Zeit.

In einem Vortrag von 1999 sagt Liebi außerdem, „in der Katechetik ist das 2.Gebot weggelassen“, und „niemand merkt“ es (). Die Gebote werden in der Bibel nicht gezählt, und die Kirchen teilen sie verschieden ein. Der Katechismus erklärt das offen: Er folge der Einteilung des Augustinus, und „Sie ist auch die der lutherischen Bekenntnisse“ (). Luthers Kleiner Katechismus zählt also genauso. Das Bilderverbot selbst behandelt der Katechismus ausführlich und zitiert dafür das 5. Buch Mose (), ebenso das Konzil von Nizäa, das 787 die Verehrung der Ikonen verteidigt hat ().

Quellen

Frühe Kirche

Teil IV · Die Messe

„Die Messe ist das absolute Herzstück der Kirche“, sagt Liebi (), und darin hat er recht. Gerade deshalb wiegen seine Vorwürfe hier am schwersten: dass in der Messe Brot angebetet werde und dass das Abendmahl nur ein Zeichen sei.

In der Messe werde „ein Brot als Gott angebetet“

Liebi schreibt„Der goldene Becher voll Gräuel (Götzendienst) stellt das götzendienerische Zentrum der Kirche von Rom dar: das Messopfer, bei dem ein Brot als Gott angebetet wird (Off 17,4).“ ()

Die Schrift sagtDie Kirche betet nicht Brot an, sondern Christus, der vom Brot sagt: „Dies ist mein Leib“ (), und: „mein Fleisch ist wahrhaftig Speise“ (); so glaubten schon die ersten Christen (; ).

In der Bibelklasse von 2016 sagt Liebi über die Fronleichnamsprozession: „Und das ist Götzendienst hundert Prozent.“ () Seine Begründung ist folgerichtig: „Götzendienst ist immer die Verehrung von etwas Materiellem als Gott.“ () Wäre die Hostie nur Brot, hätte er recht. Die Frage ist also allein, was Jesus meinte, als er sagte: „Dies ist mein Leib“ ().

Liebi deutet es mit einem Vergleich: Wer ein Foto seiner Frau zeigt und sagt „Das ist meine Frau“, meine: „Das stellt meine Frau dar.“ () Für ein Foto stimmt das. Das Neue Testament spricht aber anders. Als Jesus in Kapernaum sagt: „Es sei denn, daß ihr das Fleisch des Sohnes des Menschen esset und sein Blut trinket, so habt ihr kein Leben in euch selbst“ (), und „mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank“ (), da sagen viele Jünger: „Diese Rede ist hart; wer kann sie hören?“ (). Jesus erklärt das Wort nicht zu einem Bild; er lässt sie gehen: „Von da an gingen viele seiner Jünger zurück“ (). Paulus warnt, wer unwürdig esse, „wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein“, und isst sich Gericht, „indem er den Leib nicht unterscheidet“ (). Am Foto eines Menschen macht sich niemand schuldig an seinem Leib.

So haben es die ersten Christen verstanden. Ignatius von Antiochien schreibt um 110 über Irrlehrer, sie hielten sich fern, „weil sie nicht bekennen, dass die Eucharistie das Fleisch unseres Erlösers Jesus Christus ist“ (). Justin sagt um 150: „nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie“ (). Cyrill von Jerusalem mahnt um 350: „Betrachte daher Brot und Wein nicht als rein irdische Dinge!“ (). Auch Luther hielt an der wirklichen Gegenwart Christi fest; beim Marburger Religionsgespräch 1529 trennte ihn das von Zwingli. Liebi weiß das: Luther sei „näher bei der katholischen Kirche geblieben“ als andere Reformatoren ().

Ein Einwand Liebis ist eigens zu nennen. Christi Leib werde nach Psalm 16 „die Verwesung nicht sehen“, aber „die Hostien, die nicht gegessen werden, die verwesen“ (). Die Kirche lehrt nicht, dass der verklärte Leib Christi verwest. Sie lehrt, dass Christus gegenwärtig ist, „so lange, wie die eucharistischen Gestalten bestehen“ (). Wo die Gestalt des Brotes vergeht, ist er nicht mehr unter ihr gegenwärtig. Angebetet wird dabei nicht ein Ding, sondern der Herr: Die Gläubigen beugen die Knie „zum Zeichen der Anbetung des Herrn“ ().

Quellen

Frühe Kirche

Das Abendmahl sei nur ein Zeichen und kein Opfer

Liebi schreibt„Mat 26,26: »Dieses ist mein Leib.« = Dieses Brot bedeutet / symbolisiert meinen Leib.“ ()

Die Kirche lehrtDie Messe wiederholt das Opfer am Kreuz nicht, sie macht das eine Opfer gegenwärtig, das Christus „ein für allemal“ dargebracht hat (; ); dazu gehört der Altar, von dem der Hebräerbrief spricht ().

In „Der Messias im Tempel“ erledigt Liebi die Frage in einer Fußnote, mit der Gleichung „Dieses Brot bedeutet / symbolisiert meinen Leib“ (). Das Abendmahl habe Jesus „als Gedächtnis an seinen Opfertod“ eingesetzt (). Mit dem Gedächtnis ist er der Bibel nahe: „dieses tut zu meinem Gedächtnis!“ (). Nur heißt Gedächtnis in der Bibel mehr als Erinnerung; wer das Brot isst und den Kelch trinkt, „verkündiget … den Tod des Herrn, bis er kommt“ ().

An anderer Stelle desselben Buches geht Liebi selbst einen Schritt weiter. Der „Tisch des Herrn“ in , an dem die Christen das Abendmahl feiern, sei „einst den Altar in Jerusalem bezeichnende Ausdruck“, der hier „als Benennung für den christlichen Anbetungsort verwendet“ werde (), und: „In Heb 13,10 wird der »Tisch des Herrn« als Altar bezeichnet.“ () Paulus stellt dort selbst die Verbindung zum Opfer her: „Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar?“ (), und „ihr könnt nicht des Herrn Tisches teilhaftig sein und des Dämonentisches“ (). Wo ein Altar ist, ist ein Opfer. Der Katechismus sagt vom Altar, er stelle „den Opferaltar und den Tisch des Herrn“ dar ().

Die ersten Christen haben das Abendmahl ein Opfer genannt. Die Didache, eine Gemeindeordnung um 100, verlangt, dass man vorher seine Sünden bekenne, „damit euer Opfer rein sei“, und bezieht darauf das Wort des Propheten Maleachi (): „an jedem Orte wird geräuchert, dargebracht werden meinem Namen, und zwar reine Opfergaben“ (). Irenäus nennt um 180 die Eucharistie die „Opfergabe der Kirche“ ().

Ein neues Opfer neben dem Kreuz lehrt die Kirche nicht. Christus hat sich „ein für allemal“ geopfert (), „mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden“ (). Darum sagt das Konzil von Trient: „Denn es ist ein und dieselbe Opfergabe“, nur „die Weise der Darbringung“ sei verschieden, und dem Kreuzesopfer werde dadurch „nicht im Entferntesten“ etwas genommen (). Die Messe ist das Gedächtnis, in dem das eine Opfer gegenwärtig wird ().

Quellen

Frühe Kirche

Teil V · Heil und Hoffnung

Auf die Rechtfertigung kommt Liebi immer wieder zurück. Für ihn ist sie der Punkt, an dem sich Rom von der Schrift getrennt hat. Die drei Aussagen dieses Teils betreffen die Gewissheit des Heils, die Gemeinsame Erklärung von 1999 und das Fegefeuer.

Katholiken könnten nie gewiss sein, gerettet zu werden

Liebi sagt„Der Mensch kann nie Sicherheit und Gewissheit haben. Nie.“ ()

Die Kirche lehrtDie Rechtfertigung wird in der Taufe geschenkt, ohne dass ein Werk sie verdient (; ), und „der Glaubende“ darf „dessen gewiß sein, daß Gott sein Heil will“ (); abgelehnt wird nur die Vermessenheit ().

Liebi beschreibt die katholische Lehre so: Das ganze Leben lang werde dem Menschen „die Gnade Gottes eingeträufelt, kleine Tropfen: gute Werke, Teilnahme an der Messe, besondere Reisen, Pilgerreisen usw.“; nach einer Todsünde müsse er „wieder von vorne anfangen“ (). Als Beleg dient ihm der Tod Johannes Pauls II.: Man habe für ihn Messen gelesen, „Ja, wenn sogar der Big Boss keine Gewissheit hat, wo dann diejenigen aus der gleichen Organisation?“ ()

Die Kirche lehrt es anders. Die Rechtfertigung wird nicht tropfenweise erworben, sie wird „durch die Taufe, das Sakrament des Glaubens, gewährt“ (), und die Gnade ist ein Geschenk, das Gott „ungeschuldet“ gibt (). Nach dem Konzil von Trient heißt der Mensch „aus Gnade gerechtfertigt“, „weil nichts von dem, was der Rechtfertigung vorangeht, weder Glaube noch Werke, die Gnade der Rechtfertigung selber verdient“ (). Wachsen kann diese Gnade, wie Petrus mahnt (), und verlieren kann man sie durch schwere Schuld. Wer umkehrt, fängt aber nicht von vorn an; er wird aufgenommen wie der verlorene Sohn ().

Bei der Gewissheit liegt Liebi nicht ganz falsch, aber er lässt die Hälfte weg. Die Kirche lehnt ab, dass jemand „mit unbedingter und unfehlbarer Gewißheit“ sagt, er werde bis ans Ende ausharren (). Darin folgt sie Paulus, der schreibt: „bewirket eure eigene Seligkeit mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch wirkt“ (), und von sich selbst sagt, er zerschlage seinen Leib, „auf daß ich nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde“ (). Dieselbe Kirche verlangt aber Hoffnung und Vertrauen. In der Gemeinsamen Erklärung sagen Katholiken: „Keiner darf an Gottes Barmherzigkeit und an Christi Verdienst zweifeln“, und: „In allem Wissen um sein eigenes Versagen darf der Glaubende dessen gewiß sein, daß Gott sein Heil will“ (). Vermessen ist nach dem Katechismus nicht diese Hoffnung, sondern die Erwartung, man könne selig werden, „ohne sich zu bekehren“ ().

Dass die Kirche für einen verstorbenen Papst betet, beweist keine Verzweiflung. Paulus betet für Onesiphorus: „Der Herr gebe ihm, daß er von seiten des Herrn Barmherzigkeit finde an jenem Tage!“ (). Wer einen Menschen Gott anvertraut, urteilt nicht über ihn, sondern überlässt das Urteil dem, dem es zusteht.

Die Gemeinsame Erklärung von 1999 sei „eine totale Täuschung“ gewesen

Liebi sagt„Vor einigen Jahren wurde ein Abkommen gemacht zwischen der katholischen Kirche und den Lutheranern über das Thema ‚Rechtfertigung‘. Das war jedoch eine totale Täuschung!“ ()

Die Kirche lehrtDie Erklärung sagt: „Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen“ (); die verbleibenden Unterschiede verschweigt sie nicht, sie erklärt, warum sie nicht mehr kirchentrennend sind ().

Wenige Tage nach der Unterzeichnung in Augsburg am 31. Oktober 1999 nannte Liebi die Erklärung „die Verleugnung der Reformation“ (). 2013 erklärt er seinen Hörern, die Erklärung sei kein Konzilsbeschluss, sondern ein „Abkommen“, „in denen Wortklaubereien eine große Rolle spielen“; die katholische Kirche halte daran fest, „dass Rechtfertigung weiterhin ein Prozess wäre“ ().

Einiges davon stimmt. Die Gemeinsame Erklärung ist kein Konzilsbeschluss, und manche Unterschiede bleiben. Auch in Deutschland haben 1998 über hundert evangelische Theologieprofessoren gegen den Entwurf protestiert (Gemeinsame Erklärung); Liebi steht mit seiner Skepsis nicht allein.

„Täuschung“ aber setzt voraus, dass etwas verborgen wird. Der Text ist öffentlich, und er sagt deutlich, worin beide übereinstimmen: „Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken“ (). Wenn Katholiken von „Mitwirkung“ sprechen, sehen sie darin „selbst eine Wirkung der Gnade und kein Tun des Menschen aus eigenen Kräften“ (), und mit dem Wort „Verdienst“ wollen sie nicht bestreiten, „daß die Rechtfertigung selbst stets unverdientes Gnadengeschenk bleibt“ (). Daraus folgt nur, dass die Verurteilungen des 16. Jahrhunderts die Lehre der anderen Seite, so wie die Erklärung sie vorlegt, nicht mehr treffen ().

Dass die Rechtfertigung den Menschen auch innerlich erneuert, ist kein Wortspiel, sondern Schrift: „Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken“, und zugleich: „wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken“ (). Paulus nennt das Entscheidende „der Glaube, der durch die Liebe wirkt“ (). Getäuscht hat sich jedenfalls nicht nur die katholische Seite: Der Lutherische Weltbund hat unterschrieben, der Weltrat methodistischer Kirchen ist 2006 beigetreten, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und die Anglikanische Gemeinschaft 2017.

Das Fegefeuer sei „ein Betrug“

Liebi sagt„Es gibt kein Fegefeuer in der Bibel. Das ist ein Betrug.“ ()

Die Kirche lehrtDas Fegefeuer ist keine zweite Chance nach dem Tod, sondern die Läuterung derer, die „in der Gnade und Freundschaft Gottes“ sterben und „seines ewigen Heiles sicher“ sind (); das Gebet für Verstorbene ist älter als die Kirche (; ).

Liebi sagt das in seiner Auslegung von , „einmal zu sterben, danach aber das Gericht“. Das Fegefeuer sei für ihn eine Lehre von der „Chance, dann wieder rauszuspringen, wenn das Geld im Kasten klingt“ (). Damit verbindet er zwei Dinge, die nicht zusammengehören.

Eine zweite Chance lehrt die Kirche nicht. Das Fegefeuer betrifft nach dem Katechismus nur, wer „in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt“; ein solcher Mensch „ist zwar seines ewigen Heiles sicher“, wird aber noch geläutert (), und diese Läuterung ist „von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden“ (). Mit verträgt sich das: Das Gericht steht fest, die Läuterung gehört schon zu den Geretteten. Paulus beschreibt einen Menschen, dessen Werk im Gericht verbrennt: „er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer“ ().

Der Spruch, nach dem die Seele aus dem Fegefeuer springt, sobald das Geld im Kasten klingt, stammt aus dem Ablasshandel vor der Reformation. Den Handel hat es gegeben, und er war ein Skandal. Das Konzil von Trient befahl den Bischöfen, zu verbieten, was „schmählichen Gewinn verräth“ (), und ordnete an, „daß aller schmachvolle Gewinn“ bei den Ablässen „gänzlich abzuschaffen sei“ (). Mehr dazu steht in der Rezension zu „Das Wort der Wahrheit“ (Fegefeuer und Ablass).

Das Gebet für Verstorbene kennt schon das Judentum. Judas Makkabäus lässt für gefallene Soldaten ein Sühnopfer darbringen, „damit sie von der Sünde befreit werden“ (). Paulus wünscht dem verstorbenen Onesiphorus Barmherzigkeit „an jenem Tage“ (). Um 203 betet die Märtyrerin Perpetua im Gefängnis für ihren verstorbenen Bruder (), und Tertullian bezeugt um 210: „Die Opfer für die Verstorbenen bringen wir am Jahrestage als ihrem Geburtstage dar“ ().

Quellen

Frühe Kirche

Teil VI · Babylon und die Geschichte

Die Offenbarung ist Liebis großes Thema; er hat sie in vierzig Bibelklassen ausgelegt. In ihren Kapiteln 17 und 18 sieht er die katholische Kirche, und von dort aus deutet er ihre Geschichte. Auch in diesem Teil spricht er manchmal fair, etwa wenn er sagt, Gott sehe „jeden echt bekehrten Menschen in diesem System“ ().

Die „Hure Babylon“ sei die katholische Kirche

Liebi schreibt„Das ist die katholische Kirche, die Könige und Kaiser ein- und abgesetzt hat.“ ()

Die Schrift sagtDie Offenbarung deutet die Frau selbst: „die große Stadt, welche das Königtum hat über die Könige der Erde“ (), die Stadt, die „trunken von dem Blute der Heiligen“ war (); die Gemeinde in Rom heißt im Neuen Testament „die Miterwählte in Babylon“ ().

In seinem Skript von 2015 zählt Liebi die Merkmale auf. Die Frau sitzt auf sieben Hügeln, „Das ist die Siebenhügelstadt Rom“; sie beherrscht Europa; „Ihre Kleider von Scharlach (Kardinäle) und Purpur (Bischöfe) charakterisieren den hohen Klerus von Rom“ (). Die Kirchen, die sich von Rom getrennt haben und „den Weg weg von der Heiligen Schrift gegangen sind“, nennt er „Töchter der Hure Babylon“ ().

Dass Offenbarung 17 an Rom denkt, ist richtig; „Die sieben Köpfe sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt“ (). Die Frage ist, an welches Rom. Der Engel erklärt: „Und das Weib, das du sahst, ist die große Stadt, welche das Königtum hat über die Könige der Erde“ (). Sie ist „trunken von dem Blute der Heiligen und von dem Blute der Zeugen Jesu“ (), und in ihr wird „das Blut von Propheten und Heiligen“ gefunden (). Das ist die Hauptstadt der Kaiser zur Zeit des Johannes, der selbst auf Patmos verbannt war (). Die Christen in Rom gehörten damals zu den Opfern. Petrus grüßt aus dieser Stadt: „Es grüßt euch die Miterwählte in Babylon“ (). „Babylon“ ist das heidnische Rom, und die Gemeinde dort heißt „miterwählt“. Ausführlicher steht das in der Rezension zu Ebertshäuser („Hure Babylon“).

Auch die Farben beweisen nichts. Für die Gewänder Aarons ordnet Gott an, man solle „das Gold und den blauen und den roten Purpur und den Karmesin und den Byssus nehmen“ (). Purpur und Scharlach waren in der Antike die Farben des Reichtums; deshalb gehören sie zur Ware der Kaufleute, die um die Stadt klagen ().

Richtig ist, dass mittelalterliche Päpste Könige und Kaiser abgesetzt haben, so Heinrich IV. 1076. Die Kirche erhebt solche Ansprüche heute nicht mehr; sie lehrt, sie dürfe „in keiner Weise … mit der politischen Gemeinschaft verwechselt werden“ (), und das Reich Gottes komme „nicht in stetigem Fortschritt durch einen geschichtlichen Triumph der Kirche“ (). Das Bild der Braut, die „sich bereitet“ hat (), gebraucht der Katechismus für die Kirche (); dass sie in ihren Gliedern hinter diesem Bild zurückbleibt, weiß sie selbst ().

Rom habe eine halbe Million Waldenser getötet

Liebi sagt„Alleine in der Waldenserverfolgung nimmt man an, dass etwa 800 000 ihr Leben verloren haben, …“ ()

Die Quellen zeigenDie Verfolgung der Waldenser war schwere Schuld, die die Kirche bekennt () und für die Papst 2015 um Vergebung gebeten hat; eine Quelle für die Zahl nennt Liebi nicht, und in seinen eigenen Texten schwankt sie um 300 000.

Liebi nennt die Verfolgung von Christen durch Christen als Beweis für . Im Skript zu den Sendschreiben von 2007 schreibt er: „In der Waldenserverfolgung kamen etwa 500'000 ums Leben, in der Verfolgung der Hugenotten starben 300'000.“ () In der Bibelklasse vom 24. April 2016 sagt er: „eine halbe Million Tote“ (); fünf Wochen später nennt er in derselben Reihe „etwa 800 000“ (). Woher die Zahlen stammen, sagt er nicht; dass sie sich innerhalb von fünf Wochen um 300 000 erhöhen, spricht nicht für eine feste Quelle.

Am Kern ändert das nichts, und das ist festzuhalten. Die Waldenser wurden seit dem Mittelalter verfolgt, verbrannt und vertrieben; zu den schlimmsten Massakern gehören die von Mérindol 1545, in Kalabrien 1561 und die sogenannten Piemontesischen Ostern 1655. Die Kirche nennt Gewalt im Dienst der Wahrheit ein „schmerzliches Kapitel“ () und bekennt, es sei „eine Weise des Handelns vorgekommen, die dem Geist des Evangeliums wenig entsprechend, ja sogar entgegengesetzt war“ (). Papst besuchte am 22. Juni 2015 die Waldenserkirche in Turin und sagte: „Von Seiten der katholischen Kirche bitte ich euch um Vergebung.“ Er bat um Vergebung „für die unchristlichen, ja sogar unmenschlichen Haltungen und Verhaltensweisen, die wir euch gegenüber in der Geschichte hatten“.

Daraus folgt aber nicht, was Liebi folgert. Mit dem Blut der Heiligen meint die Märtyrer, die Johannes vor Augen hatte, unter Kaisern wie Nero. Und Gewalt gegen Andersgläubige war kein katholisches Kennzeichen. In Liebis Heimatstadt Zürich ertränkte der reformierte Rat 1527 den Täufer Felix Manz in der Limmat, in Genf wurde 1553 Michael Servet verbrannt. Wer Verfolgung zum Merkmal Babylons macht, trifft auch die Kirchen der Reformation. Jesus hat jedem Christen gesagt: „Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort; denn alle, die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen“ ().

Die Jesuiten seien gegründet worden, „um die Reformation zu zerstören“

Liebi sagt„Weil der Jesuitenorden wurde ja gegründet im 16. Jahrhundert, als die Reformation entstand, um die Reformation zu zerstören.“ ()

Die Quellen zeigenIgnatius von Loyola und seine Gefährten gelobten 1534 Armut, Keuschheit und Mission im Heiligen Land; Papst bestätigte den Orden 1540, seine ersten Missionare gingen nach Indien und Japan.

Liebi sagt das 2016 im Zusammenhang mit dem Papstwechsel von 2013. sei „nicht gestorben“, er sei „im richtigen Moment 'ersetzt' durch einen Jesuiten“, rechtzeitig zum Reformationsjubiläum 2017 (). Richtig bemerkt er, dass vorher „nie ein Papst als Jesuit an der Macht“ war (); war der erste.

Die Gründung verlief anders. Ignatius von Loyola, ein baskischer Offizier, bekehrte sich 1521 nach einer schweren Verwundung. Am 15. August 1534 gelobten er und seine Gefährten in Paris auf dem Montmartre Armut, Keuschheit und Mission in Palästina. Weil die Reise ins Heilige Land nicht zustande kam, stellten sie sich dem Papst zur Verfügung; bestätigte die Gesellschaft Jesu am 27. September 1540. Franz Xaver brach schon 1541 nach Indien auf und kam bis Japan. Die Reformation war nicht der Grund der Gründung; wohl aber haben Jesuiten wie Petrus Canisius danach in Deutschland viel für die katholische Erneuerung getan und gegen die Reformation gewirkt.

Auch der Papstwechsel ist gut belegt. erklärte am 11. Februar 2013 selbst: „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“ (Declaratio). Die Kardinäle wählten am 13. März 2013 Jorge Mario Bergoglio. Ein Plan, die Reformation mit einem Jesuiten auf dem Papstthron zu „vernichten“, lässt sich daraus nicht ablesen; wer eine Verschwörung behauptet, müsste sie belegen.

Fazit

Roger Liebi weiß viel, und er schreibt in seinen Büchern ruhiger als andere Kritiker der katholischen Kirche. Seine Urteile über sie stammen aber selten aus ihren eigenen Texten. In keinem der hier besprochenen Bücher, Skripte und Vorträge führt er den Katechismus oder ein Konzil im Wortlaut an. Wo er die katholische Lehre beschreibt, beschreibt er sie so, wie sie aus der Sicht seiner Tradition aussieht: Gnade in Tropfen, ein Fegefeuer mit zweiter Chance, ein Papst, der sich über die Schrift stellt, ein Brot, das als Brot angebetet wird. So lehrt die Kirche nicht.

Auffällig oft liegt die Antwort schon in Liebis eigenen Texten. Er räumt ein, dass Kephas „Fels“ heißt; er beschreibt den Kanon als etwas, das die Christen „erkannt“ haben; er nennt den Abendmahlstisch einen Altar, das erste Makkabäerbuch eine zuverlässige Quelle, die frühe Kirche gewissenhaft. Er sagt, dass man auch in der katholischen Kirche ein Kind Gottes werden kann. Wer diese Sätze ernst nimmt, ist der katholischen Sicht näher, als Liebis scharfe Worte über „Babylon“ vermuten lassen.

Bleibende Unterschiede gibt es, vor allem bei der Eucharistie, bei Maria und beim Amt des Petrus. Über sie lohnt das Gespräch, mit der Bibel in der Hand und mit den Zeugen der ersten Jahrhunderte, die beide Seiten achten. Liebi lädt seine Hörer ein, wie die Christen in Beröa „täglich die Schriften“ zu untersuchen, „ob dies sich also verhielte“ (). Diese Rezension lädt ein, dabei auch zu lesen, was die Kirche selbst sagt.

Empfehlungen

Zum Weiterlesen

Bücher und Texte für alle, die die Fragen dieser Rezension vertiefen möchten. Die Bezugsquellen sind einfache Links ohne Provision.

  • Katechismus der Katholischen Kirche

    Libreria Editrice Vaticana · als Buch in mehreren Verlagen, etwa als Taschenbuch bei St. Benno, Leipzig 2020 (ISBN 978-3-7462-5800-3), und kostenlos im Internet · Kurzfassung: Kompendium (2005)

    Die maßgebliche Darstellung der katholischen Lehre, auf die sich diese Rezension stützt. Was die Kirche über den Kanon, Maria, die Eucharistie, die Rechtfertigung und das Fegefeuer tatsächlich lehrt, steht hier in ihren eigenen Worten, mit den Bibelstellen dazu.

  • Zweites Vatikanisches Konzil

    Dei Verbum und Lumen gentium

    Dogmatische Konstitutionen über die göttliche Offenbarung (1965) und über die Kirche (1964) · deutscher Text kostenlos auf vatican.va

    Die beiden Konzilstexte, die Liebis Fragen nach Schrift und Überlieferung, nach dem Kanon, dem Amt und der Verehrung Marias am direktesten beantworten.

  • Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

    Lutherischer Weltbund und Katholische Kirche, Augsburg 1999 · deutscher Text kostenlos beim Vatikan

    Wer wissen will, ob die Erklärung eine „Täuschung“ war, liest sie am besten selbst. Sie ist kurz und nennt Übereinstimmung und bleibende Unterschiede Absatz für Absatz.

  • Bibliothek der Kirchenväter

    klassische Übersetzungen des Kösel-Verlags, gemeinfrei · online bei der Universität Freiburg (Schweiz)

    Die frühen christlichen Schriften in deutscher Übersetzung, frei zugänglich: , Ignatius, Justin, Irenäus, Cyprian, Cyrill von Jerusalem, Augustinus und viele andere. Liebi beruft sich selbst auf sie; wer ihre Texte im Zusammenhang liest, kann seine Urteile prüfen.

Quellen und Hinweise

Besprochene Texte
Roger Liebi: Bücher, Skripte und Abschriften von Vorträgen, abgerufen am 6. Oktober 2026. Bücher mit der Seite der genannten Auflage, Skripte und Abschriften mit der Seite des PDF; die Abschriften stellt Liebi selbst auf rogerliebi.ch. Die Zitate dienen der Besprechung (§ 51 UrhG) und stehen in der Rechtschreibung des Originals.
  1. Vortrag: Der Hinduismus im Licht der Bibel · Vortrag; Abschrift · 3. November 1999
  2. Vortrag: Die biblische Lehre über Auserwählung und Zuvorbestimmung · Bibelstudientag, Herznach; Abschrift · 24. März 2007
  3. Skript: Die 7 Sendschreiben (Offenbarung 2 und 3) · Skript zum Bibelseminar · 9. Juni 2007
  4. Vortrag: Offenbarung – Vers-für-Vers, #5: Kapitel 2,17-29 · Bibelklasse; Abschrift · 22. September 2013
  5. Skript: Wie kann man verbreitete Irrtümer über biblische Prophetie vermeiden? · Skript zum Vortrag · 21. März 2015
  6. Vortrag: Offenbarung Teil 28/40 – 17,1 – 18,24 · Bibelklasse Bodensee, Singen; Abschrift · 6. März 2016 · Video
  7. Vortrag: Offenbarung Teil 29/40 – 17,1 – 18,24 · Bibelklasse Bodensee, Singen; Abschrift · 24. April 2016 · Video
  8. Vortrag: Offenbarung Teil 30/40 – 18,1 – 24 · Bibelklasse Bodensee, Singen; Abschrift · 29. Mai 2016 · Video
  9. Buch: Die Bibel – absolut glaubwürdig! · CLV, Bielefeld, 2. Auflage 2019 (1. Auflage 2017) · 2019
  10. Vortrag: Der Hebräerbrief – 07 – 9,11 – 10,7 · Vers-für-Vers-Studie; Abschrift · 19. Oktober 2019
  11. Buch: Der Messias im Tempel · Symbolik und Bedeutung des Zweiten Tempels im Licht des Neuen Testaments. CLV, Bielefeld, 3. Auflage 2021 (1. Auflage 2003); die zitierten Stellen stehen in allen Auflagen auf denselben Seiten · 2021
  12. Buch: Jerusalem – Hindernis für den Weltfrieden? · Das Drama des jüdischen Tempels. CLV, Bielefeld, 9. Auflage 2025 · 2025
  13. Interview: Der Indiana Jones der Bibelwissenschaft! · Gespräch mit Lars Rominger, kunststofftechnik.ch · 5. April 2025
Bibel
Die Vorschau zeigt die Elberfelder Bibel in der Fassung von 1905 (gemeinfrei), die „alte Elberfelder“, die Roger Liebi nach eigener Angabe benutzt; wörtliche Bibelzitate im Text folgen ihr. Die revidierte Elberfelder und die Einheitsübersetzung sind über die Links zu ERF Bibleserver nachzulesen.
Deuterokanonische Bücher
1 und 2 Makk fehlen in der Elberfelder Bibel und werden nach der Einheitsübersetzung zitiert: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten.
Katechismus
Katechismus der Katholischen Kirche, Deutsche Ausgabe (1997), Text nach vatican.va, © Libreria Editrice Vaticana. Gezeigt werden die Kernsätze der angegebenen Nummern; Auslassungen sind mit […] gekennzeichnet.
Konzils- und Papsttexte
UR: Unitatis redintegratio (Zweites Vatikanisches Konzil, 21. November 1964); DV: Dei Verbum (Zweites Vatikanisches Konzil, 18. November 1965); NA: Nostra aetate (Zweites Vatikanisches Konzil, 28. Oktober 1965); DH: Dignitatis humanae (Zweites Vatikanisches Konzil, 7. Dezember 1965); LG: Lumen gentium (Zweites Vatikanisches Konzil, 21. November 1964); GS: Gaudium et spes (Zweites Vatikanisches Konzil, 7. Dezember 1965); DI: Dominus Iesus (Kongregation für die Glaubenslehre, von Johannes Paul II. bestätigt, 6. August 2000); TMA: Tertio millennio adveniente (Johannes Paul II., 10. November 1994); EG: Evangelii gaudium (Franziskus, 24. November 2013); DCE: Deus caritas est (Benedikt XVI., 25. Dezember 2005). Deutscher Text nach vatican.va, © Libreria Editrice Vaticana; gezeigt werden Kernsätze.
Konzil von Trient
Deutsch nach: Beschlüsse und Glaubensregeln des hochheiligen allgemeinen Concils zu Trient unter den Päpsten Paul III., Julius III. und Pius IV., Regensburg: Manz 1869 (gemeinfrei; Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Nummern nach Denzinger-Schönmetzer (DS), sie stimmen mit Denzinger-Hünermann (DH) überein. Text und Rechtschreibung der Ausgabe von 1869, am Digitalisat geprüft.
Gemeinsame Erklärung
Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche, unterzeichnet am 31. Oktober 1999 in Augsburg. Deutscher Text nach der Veröffentlichung des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen (christianunity.va).
Kirchenväter
Bibliothek der Kirchenväter (BKV), 1. Reihe (Kempten/München 1912–1919), gemeinfrei; Text nach bkv.unifr.ch.
Weitere Quellen
Roger Liebi, Person (rogerliebi.ch) und Fragebogen (bruederbewegung.de, 2004); Benedikt XVI., Declaratio (11. Februar 2013); Franziskus, Ansprache in der Waldenserkirche in Turin (22. Juni 2015).